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Wie Zerstörung von Sachkapital dem Finanzsystem in die Hände spielt
 
Der Aufsatz entstand im Rahmen eines Forschungsprojektes der Universidad Austral de Chile (Projekt-Nr.: DID SE-2010-01)

Am 27. Februar 2010 bebte die Erde in Chile drei Minuten lang mit der Stärke von 8,8 auf der Richter-Skala und verwüstete ganze Landstriche. Das Beben war über eine Länge von 2000 Kilometern zu spüren. Am schlimmsten betroffen war die Region um die Küstenstadt Concepción. Gebäude, die das Beben überstanden hatten, wurden durch den nachfolgenden Tsunami weggeschwemmt. Obwohl wie durch ein Wunder nur 500 Menschen ums Leben kamen, hat das fünftstärkste jemals registrierte Erdbeben gemessen in US-Dollars Schäden in Milliardenhöhe hinterlassen. Dennoch gibt es auch Gewinner des Erdbebens: Die Finanzwirtschaft. Warum dies so ist, soll im Folgenden erklärt werden.

Die Zinswirtschaft zerstört sich in regelmäßigen Abständen selbst

Dies ist nicht schwer nachzuvollziehen. Geldvermögen verdoppelt sich schließlich je nach Zinshöhe durch Zinsen und Zinseszinsen in etwa 10 bis 15 Jahren. Selbst der schnellste Rechner der Welt kann mangels fehlender Nullen die dadurch entstehende Zinslast irgendwann nicht mehr rechnen. Das ist die Logik einer Exponentialfunktion. Noch weniger kann ein Wirtschaftssystem jemals eine so große Wirtschaftsleistung erreichen, um diesen Zinsendienst zu erbringen. Aus gutem Grund veröffentlicht die US-Notenbank seit 2006 nicht mehr die umlaufende Geldmenge. Es wird so die Gefahr verringert, dass die Menschen merken könnten, dass die Dollar-Geldmenge deutlich schneller als die Produktivität der Weltwirtschaft wächst. Wächst die Geldmenge aber schneller als die Produktivität, entsteht nach der bekannten Verkehrsgleichung Irving Fishers, aber auch nach allen anderen Inflationstheorien Inflation, wenn auch zunächst nur partiell, nämlich an den Anlagemärkten.Hier findet sich die Ursache der Aktien- und Immobilienblasen und der dadurch hervorgerufenen Finanzkrise (lat. inflare = aufblähen). Hier liegt auch der Grund, warum alle Industriestaaten und solche, die es werden wollen, stets Wirtschaftswachstum anstreben. Die Produktion muss jährlich steigen, um einerseits die stetig wachsende Geldmenge mit Produktion zu decken und andererseits den Zinsdienst erbringen zu können. Das Problem ist, dass Bedarf und Produktion nicht beliebig gesteigert werden können; denn exponentielles Wachstum gibt es aufgrund begrenzter Ressourcen in der Natur nicht. Die dem Neoliberalismus vorgeworfene Gier ist systemimmanent. In diesem Sinne bemerkte schon John Maynard Keynes, dass die verschiedenen anstößigen Formen des Kapitalismus durch den Zins hervorgebracht werden. Diese könnten überwunden werden, indem man die Grenzleistungsfähigkeit des Kapitals, also den Zins auf Null reduziert.

Die Zerstörung von Sachkapital ist der Finanzwirtschaft dienlich

Es ist nachvollziehbar, dass offenbar auch viele Kriege mit der Zinswirtschaft in Zusammenhang stehen. Abgesehen davon, dass mit dem eroberten Vermögen und den Bodenschätzen der Zinsdienst der Staatsschulden bedient werden kann, ermöglicht die Zerstörung von Sachkapital wieder neues Wachstum und fördert selbstverständlich die Kreditvergabe. Was für Zerstörung von Sachkapital durch Kriege gilt, gilt auch für die Zerstörung, die Naturkatastrophen anrichten.
Kriege und Naturkatastrophen können also den Zusammenbruch des Zinssystems hinauszögern, indem sie einerseits weiteres Wirtschaftswachstum ermöglichen und andererseits einen Anreiz zur Kreditaufnahme darstellen. Eben dies kann man nach dem verheerenden Erdbeben vom 27.2.2010 in Chile beobachten. Es wurde bereits von Experten herausgestellt, dass das Erdbeben langfristig ein zusätzliches Wirtschaftswachstum ermöglichen könnte. Zudem vergeben Banken in Chile seit der Naturkatastrophe so viele Kredite wie schon lange nicht mehr, und es wird erwartet, dass sich der Absatz von Hypothekenkrediten bis Frühjahr 2011 noch deutlich steigern wird. Die Geldverleiher sind ganz offenbar die Gewinner des Erdbebens. In einer gesättigten Wirtschaft, in der kaum noch Wirtschaftswachstum möglich ist, finden die Banken hingegen nur schwer Abnehmer für ihre Kredite, sie müssen aber auf die Einlagen Zinsen bezahlen und sind folglich gezwungen, Kredite notfalls auch an Kreditnehmer mit schlechter Bonität und zu niedrigen Zinsen zu vergeben.

Der Zwang zur Spekulation verringert sich – Der Kollaps des Finanzsystems wird hinausgezögert

Weil auf der Habenseite die Guthaben unaufhörlich und vor allem unabhängig von der Wirtschaftsleistung der Volkswirtschaft Zinsen einfordern, sind die Banken in einer gesättigten Wirtschaft also zu riskanten Geschäften und Kreditvergaben gezwungen. In den Anlagemärkten wie Aktien- oder Immobilienmärkten führt die sich durch die vermehrte Kreditgeldschöpfung stetig ausweitende Geldmenge andererseits zu stetig steigenden Kursen. Oder anders ausgedrückt: Die sich selbst vermehrende Geldmenge sucht Anlageformen. Die Hausse der Aktienmärkte wird durch die niedrigen Zinsen noch unterstützt. Hinzu kommt, dass die Opportunitätskosten stetig steigender Aktienkurse Geld aus anderen Märkten in die Aktienmärkte fließen lassen. Das treibt die Hausse weiter an und führt nebenbei dazu, dass sich die Inflation zunächst auf die Anlagemärkte beschränkt und von vielen nicht als solche wahrgenommen wird; denn die Inflationsrate wird anhand der Preisentwicklung von Konsumgütern ermittelt. Es ist sogar möglich, dass soviel Geld aus den Konsumgütermärkten abgezogen wird, dass an den Konsumgütermärkten zunächst deflationäre Tendenzen herrschen. Man könnte diese Situation als Inflations-Deflations-Paradoxum bezeichnen. Die Spekulation ist also nicht die eigentliche Ursache der Finanzkrise, sondern nur ein Symptom der sich selbst vermehrenden Geldmenge. Die allzu leichtfertige Kreditvergabe, die Casino-Spiele der Banken und die mangelnde Bankenaufsicht werden allerdings in den Medien und Literatur als Ursache der Finanzkrise suggeriert. Das Phänomen ist nicht neu. Auch nach den Krisen 1857 und 1929 wurden die Banken und deren Praktiken als die Schuldigen an den Krisen ausgemacht. Auch damals war aber wohl die sich zuvor exorbitant ausweitende Geldmenge die eigentliche Ursache der Krise. Der Wiederaufbau nach dem Erdbeben ermöglicht nun neues Wirtschaftswachstum, und es finden sich wieder leichter Kreditnehmer, was den Kollaps des Finanzsystems hinauszögert.

Kreditgeldschöpfung versus Zinsgeldschöpfung

Dass der Zins die Ursache für die sich stetig und vor allem unabhängig von der Entwicklung der Produktivität der Volkswirtschaft ausweitende Geldmenge ist, ist vielen Finanzfachleuten kaum bewusst. Deshalb wird nicht erkannt, dass Inflation, Spekulation und Wachstumszwang Sekundärphänomene unseres Finanzsystems sind. Es gibt also zwei die Geldmenge ausweitende Effekte. Neben der Kreditgeldschöpfung, also der Ausweitung der Geldmenge durch Kreditvergabe erhöht auch der Zins die Geldmenge. Diesen zweiten, weniger bekannten Effekt könnte man Zinsgeldschöpfung nennen. Dass sich die Geldmenge auch durch den Zins vermehrt, ist anfangs zwar vernachlässigbar und wird möglicherweise darum in Lehrbüchern ganz regelmäßig nicht erwähnt. Je länger eine Geldordnung existiert, desto stärker wird allerdings der Effekt der Zinsgeldschöpfung; denn, wie eingangs erwähnt wurde und leicht nachvollziehbar ist, vermehrt sich die Geldmenge durch den Zins- und Zinseszinseffekt exponentiell, d.h. zunächst langsam und dann immer schneller. Die Kreditgeldschöfpung, welche die umlaufende Geldmenge durch die Kreditvergabe ausweitet, ist nicht der Grund für das exponentielle Geldmengenwachstum. Der Grund für die stetig und exponentiell wachsende Geldmenge ist der Zins- und Zinseszinseffekt, der dazu zwingt, das Kreditvolumen und damit die Kreditgeldschöpfung stetig auszuweiten.Je höher der Zins ist, desto schneller wachsen Bankguthaben, desto mehr sind Banken zur Kreditvergabe gezwungen, weshalb Zinsgewinne automatisch auch zu einer ansteigenden Gesamtverschuldung führen müssen. Während die Zinsgeldschöpfung umso schneller in Fahrt kommt, je höher die Zinsen sind, geht die Kreditgeldschöpfung umso langsamer von statten, je höher die Zinsen sind, weil sich teure Kredite nun mal schlechter verkaufen als günstige. Die Zinshöhe hat also eine genau gegenteilige Auswirkung auf die Zinsgeldschöpfung wie auf die Kreditgeldschöpfung. Mittel- bis langfristig überwiegt die Zinsgeldschöpfung die Kreditgeldschöpfung, weshalb die umlaufende Geldmenge dann umso langsamer wächst, je niedriger die Zinsen und umso schneller, je höher die Zinsen sind.

Eine andere Erklärung für die niedrigen Leitzinsen

Es ist anzunehmen, dass die obersten Zentralbänker diesen Mechanismus verstehen und dass dies der eigentliche Grund dafür ist, dass die Leitzinsen in den meisten Industrieländern seit 15 Jahren stetig sinken. Einerseits wachsen die sich durch den Zins selbst vermehrenden Guthaben nicht mehr ganz so schnell, was den Banken bei der Suche nach Zinsdiensterbringern etwas Luft verschafft. Andererseits ist es für Banken leichter, Abnehmer für ihre Kredite zu finden, wenn diese günstiger sind. Es kann vermutet werden, dass dies der wahre Grund für die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken ist, nicht (nur) das Vermeiden einer Kreditklemme. Je näher das Finanzsystem am unvermeidlich früher oder später eintretenden Kollaps ist, desto niedriger muss sich das Zinsniveau einstellen. Tatsächlich hat sich, seitdem sich die Zentralbankzinsen der Null-Prozent-Marke nähern, das bis dahin exponentiell vermehrende Geldmengenwachstum verlangsamt. Statistiken der Dollargeldmenge zeigen klar, dass die Dollargeldmenge nun nicht mehr weiter exponentiell, sondern seit 2008 nur noch gemäßigt wächst. In den Medien werden uns die niedrigen Leitzinsen der Zentralbanken freilich lehrbuchmäßig begründet: Die Geldmenge solle sich durch niedrige Zinsen ausweiten, wodurch eine Kreditklemme verhindert werden könne.

Banken als Retter in der Not

In einer solchen Situation spielt ein Krieg oder eine Naturkatastrophe mit großem Zerstörungspotential der Kreditwirtschaft in die Hände, weil neues Wachstum möglich und die Kreditvergabe gefördert wird. Dies kann in praxi nachvollzogen werden und äußert sich daran, dass Banken in Chile nach dem Erdbeben problemlos Kredite verkaufen. Banken werden sogar als Retter in der Not empfunden, da sie den Menschen durch Kredite helfen. Bezeichnenderweise schrieb jemand auf sein Auto „Amo Banco Santander y Chile“ (Ich liebe Banco Santander und Chile). Dieselbe Bank wirbt mit dem Slogan „Con todas las ganas de ayudar“ (Wir helfen mit Freude). Zudem steigt das Zinsniveau in Chile wieder. Banken können es sich nun erlauben, wieder höhere Zinsen zu erheben.

Nachtrag

In diesem Zusammenhang ist es interessant, der Frage nachzugehen, wie überhaupt „Wirtschaftswachstum“ nach einer verheerenden Naturkatastrophe oder Krieg möglich ist, wenn durch den Wiederaufbau doch nur der Status quo hergestellt wird, der Wohlstand verglichen mit der Situation vor der Naturkatastrophe also nicht wächst. Das Wirtschaftswachstum, gemessen am BIP, ist aber nach herrschender Ansicht ein Wohlstandsindikator. Ganz offensichtlich ist das Wachstum des BIPs aber nicht gleichzusetzen mit Wohlstandswachstum, wie Manfred Max-Neef, Träger des alternativen Nobelpreises für Ökonomie herausstellt. Wenn das durch das Erdbeben bewirkte Wirtschaftswachstum nun also keinen Wohlstandsgewinn bringt, sondern nur eine Wiederherstellung des Wohlstandes, wie er vor dem Erdbeben anzutreffen war, wer profitiert dann an dem messbaren Wachstum des BIPs? Die Antwort dieser Frage liegt auf der Hand: Nachdem der Wiederaufbau abgeschlossen ist, werden in Wirklichkeit nicht alle ebenso wohlhabend sein wie zuvor. Denn die Menschen, die Kredite aufnehmen mussten, haben ja Zinsen bezahlt oder zahlen sie noch über viele weitere Jahre. Der Wohlstand nach dem Wiederaufbau reduziert sich um den Betrag des geleisteten und noch zu leistenden Zinsdienstes. Jede Naturkatastrophe oder Krieg mit Zerstörungspotential fördert damit die zinsbedingte Umverteilung des Reichtums.

Erstveröffentlichung in der Zeitschrift „Humane Wirtschaft“ Ausgabe 02/2011

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Anmerkungen:

  • Vgl. etwa Margit Kennedy, Geld ohne Zinsen und Inflation – Ein Tauschmittel, das jedem dient, 1990, S. 22 f.; Günter Hannich, Sprengstoff Geld: wie das Kapitalsystem unsere Welt zerstört, 2. Aufl. 1999, S. 14 ff.; Dirk Müller, Crashkurs – Weltwirtschaftskrise oder Jahrhundertchance, 2009, S. 193 – 203; Helmut Creutz, Das Geldsyndrom. Wege zu einer krisenfreien Marktwirtschaft, 1993, S.440, 445; Werner Onken, Silvio Gesell und die natürliche Wirtschaftsordnung: Eine Einführung in Leben und Werk, Kiel 1999; Egon W. Kreutzer, Wolf’s wahnwitzige Wirtschaftslehre Bd. III – Über das Geld, 2005, S. 282 f.; Simon Bichlmaier, Umlaufsicherung vs. Niedrig-Zins-Politik und Inflationsstrategie der Notenbanken, in: HUMANE WIRTSCHAFT 02/2010, S. 6; Felix Fuders, Eine Wirtschaftsordnung ohne Zinsen – eine Antwort auf die gegenwärtige Weltfinanzkrise, in: Zeit-Fragen Nr. 23/2009, S. 3 f.; ders., Die natürliche Wirtschaftsordnung als Option nach dem Zusammenbruch, in: Aufklärung & Kritik, Nr. 2/2009, S. 128 ff.; ders., Warum Zinsen auch moralisch nicht zu rechtfertigen sind, in: HUMANE WIRTSCHAFT 02/2010, S. 26; ders., Alternative Concepts for a global financial system – an answer to the present world financial crisis, in: Revista de Estudios Internacionales (Universidad de Chile), Nr. 166, S. 45 – 56.
  • Zur Veranschaulichung der Problematik ist auch der so genannte Josephspfennig geeignet. Hätte Joseph dem Jesus nur einen Pfennig vererbt, und wäre dieser mit 5% Verzinsung angelegt worden, so hätte die Geldanlage im Jahr 1990 123 Mrd. Erdkugeln aus Gold betragen, vgl. Günter Hannich, Börsencrash und Welt-Wirtschaftskrise – Der Weg in den Dritten Weltkrieg, 4. Aufl. Rottenburg, 2005, S. 15.
  • Dass das Geldmengenwachstum aufgrund des Zinseszinseffektes einer Exponentialfunktion folgt, stellt auch Margit Kennedy, Geld ohne Zinsen und Inflation – Ein Tauschmittel, das jedem dient, Steyerberg 1990, S. 22 f., heraus.
  • Vgl. http://www.federalreserve.gov/Releases/h6/discm3.htm.
  • Die Dollar-Geldmenge M3 entwickelt sich exponentiell, vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Money_supply; http://www.economagic.com/em-cgi/charter.exe/ fedstl/m3sl. Für die moderate Entwicklung des realen Wachstums der Weltproduktivität vgl. Internationaler Währungsfonds, World Economic Outlook – Financial Systems and Economic Cycles, Washington 2006, S. 1. Die Produktivität der Weltwirtschaft schrumpfte sogar zuletzt, vgl. OECD, Economic Outlook, Paris, Vol. 2008/2, Nr. 84, S. 6, 12, 15. Es wird herausgestellt, dass sich das Wachstum der Gütermenge in der Welt in den letzten 30 Jahren lediglich vervierfacht, während die monetäre Seite sich vervierzigfacht hat, vgl. Eberhard Hamer, Der Welt-Geldbetrug, Zeit-Fragen 2004 Nr. 45, S 1; ders./Eike Hamer, Was passiert, wenn der Crash kommt?, 6 Aufl. München 2005, S. 32.
  • Irving Fisher, The Purchasing Power of Money – Its Determination and Relation to Credit Interest an Crisis, New York 1963, insbes. S. 26, 48.
  • Neben Irving Fisher’s Quantitätstheorie (Seit Milton Friedman auch Monetarismus genannt) gibt es noch zwei weitere große Inflationstheorien: Die Nachfrageund die Kosteninflation. Die Nachfrageinflation entsteht durch einen Nachfrageüberschuss nach Gütern und Dienstleistungen und die dadurch verursachte Preissteigerung. Der Nachfrageüberschuss wird seinerseits bedingt durch eine im Verhältnis zur Produktivität stärker steigende Entlohnung der Produktionsfaktoren. Auch die durch Kosten induzierte Inflation entsteht durch eine im Verhältnis zur Arbeitsproduktivität stärker steigende Entlohnung der Produktionsfaktoren (zu beiden Theorien etwa Andrés Fernández Díaz et al, Política Económica, 4. Aufl. Madrid 2006, S. 165 ff., 169 ff.). Eine Erhöhung der Entlohnung der Produktionsfaktoren, die groß genug ist, damit das Preisniveau steigt, setzt eine entsprechende Erhöhung der Geldmenge voraus (unstreitig, vgl. etwa Juan R. Cuadrado Roura et al, Política Económica, 3. Aufl. Madrid 2006, S. 188), weshalb sich beide Theorien kaum von der Quantitätstheorie unterscheiden.
  • Die Preisblasen wurden zu Recht als „partielle Inflation“ bezeichnet, vgl. Karl Albrecht Schachtschneider, Armes Europa – armes Deutschland: Wird Europa eine Oligarchie der Unternehmens- und Parteiführer? – Gedanken zur Grundrechtsproblematik der EU, in: Zeit-Fragen Nr. 62, 1999, S. 1.
  • Margit Kennedy, Geld ohne Zinsen und Inflation, S. 159; Karl Albrecht Schachtschndeider, Verfassungsrechts der Europäischen Union, im Erscheinen, § 14, I. 3 e); Wilhelm Hankel, Währungspolitik, Geldwertstabilisierung, Währungsintegration und Sparerschutz, 2. Aufl. 1972, S. 71 ff., 103 ff.; Helmut Creutz, Das Geldsyndrom, S. 57, 117 f., 308 ff.; Günter Hannich, Sprengstoff Geld, S. 46 ff.; Werner Lachmann, Volkswirtschaftslehre 1, 5. Aufl. 2006, S. 185 ff. Es werden sogar ganze Bücher über Wachstumsstrategien geschrieben, vgl. etwa Goerge Stalk et al., Harvard Business Review – estrategias de crecimiento, Buenos Aires 2004.
  • So bereits Aristoteles, Politik, 1. Buch, 1256b, 35.
  • John Maynard Keynes, Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes, Berlin 1936, S. 185.
  • Günter Hannich, Börsencrash und Welt-Wirtschaftskrise, S. 207 ff.; ders., Sprengstoff Geld, S. 99 ff., 107 ff.; auch schon Silvio Gesell, Die natürliche Wirtschaftsordnung, S. 213 ff.
  • Helmut Creutz, Das Geldsyndrom, S. 377.
  • Helmut Creutz, Das Geldsyndrom, S. 370 ff. Dabei fördern auch Abrüstungskonventionen das Wachstum, weil nicht etwa weniger Waffen bestellt, sondern alte zerstört werden (S. 393 f.)
  • JP Morgan, Terremoto podría acelerar crecimiento del PIB chileno, in: La Tercera v. 3.3.2010: http://latercera. com/contenido/655_230506_9.shtml; ohne Autor, Wallstreet-Online v. 3.3.2010: http://www.wallstreetonline. de/nachrichten/nachricht/2904459-erdbebenin-chile koenntewirtschaftswachstumfoerdern.html; ohne Autor, Chile crecerá 5.5% pese al sismo, in: CNN v. 4.3.2010:http://www.cnnexpansion.com/economia/2010/03/04/chile-temblor-economia-perdidasmuertos. Weniger Arbeitslose als erwartet aufgrund Belebung im Bausektor, vgl. ohne Autor, Inesperada baja del desempleo en Chile, in: La nueva Provincia v. 31.7.2010: http://www.lanueva.com/edicion_ impresa/nota/31/07/2010/a7v064.html.
  • Banco Central de Chile, Informe Política Monetaria (IPoM), 6/2010, S. 8, 20, 25.
  • Ulric Rindebro, BancoEstado prevé crecimiento de 10% en crédito pyme, pese a terremoto y competencia, in: Business News Americas v. 22.07.2010; Fitchratings: http://www.fitchratings.cl/Noticia.asp?Id_Noticia=2839&Id_Resumen=&Id_Grupo=&Id_TipoOpcion=&Id_Empresa=&Glosa=&Pagina=; ohne Autor, Fuerte Re-punte en creditos de consumo tras terremoto, in: La Tercera v. 3.3.2010: http://beta.latercera.com/contenido/655_237900_9.shtml.
  • Hierzu und mit weiteren Nachweisen Felix Fuders, Die natürliche Wirtschaftsordnung als Option nach dem Zusammenbruch, in: Aufklärung & Kritik, Nr. 2/2009, S. 130.
  • Siehe bereits Felix Fuders, Die natürliche Wirtschaftsordnung als Option nach dem Zusammenbruch, in: Aufklärung & Kritik, Nr. 2/2009, S. 130.
  • Wir werden möglicherweise zudem ob der wahren Inflationsrate belogen. Das vermutet Simon Bichlmaier, Umlaufsicherung vs. Niedrig-Zins-Politik und Inflationsstrategie der Notenbanken, in: HUMANE WIRTSCHAFT 02/2010, S. 7.
  • Vgl. Paul Krugman, Die neue Weltwirtschaftskrise, Frankfurt/New York, 2. Aufl. 2009, insbes. S. 41 ff.; Ulrich Schäfer, Der Crash des Kapitalismus, Frankfurt/New York 2009, insbes. S. 39 ff.; Robert J. Shiller, Die Subprime Lösung: Wie wir in die Finanzkrise hineingeraten sind – und was wir jetzt tun sollten, 2008; Holger Steltzner, Auf dem Londoner Gipfel, F.A.Z. v. 02.04.2009, S. 1.
  • Leerverkäufe und Spekulation waren auch damals die ausgemachten Ursachen, vgl. Efforts to cut Short Selling and Peg Key Stocks among Day’s development on the Exchange, in: New York Times v. 14.11.1929, S. 1; Short Sales stir conflicting views; some hold practice helpful, others harmful to the Stock Market, in: New York Times v. 17.11.1929, S. N7; Asks state inquiry on stock recession – senator Hastings wants the Governor to name Committee of Business Leaders, in: New York Times v. 25.11.1029, S. 18. Es wurde auch damals eine Spekulationssteuer vorgeschlagen und die Spekulanten als Parasiten bezeichnet, vgl.: Asks house to vote Tax on Stock Sales, Representative Sabath introduces Bill for 5% Levyon Shorts. Penalty for Non-Payment Illinois Man denounces “Wall Street Gamblers” as “Rapacious Parasites”, in: New York Times v. 10.12.1929, S. 54.
  • Murray N. Rothbard: America‘s Great Depression, 5. Aufl. Auburn (Alabama) 2000, S. 91 ff.
  • Vgl. etwa bekannte Lehrbücher wie: Gregory Mankiw, Principals of Economics, 1998, S. 599 ff.; Cristián Larroulet, Economía, zweite Aufl., 2003, S. 418 ff.
  • In dem Sinne bereits Helmut Creutz, Das Geldsyndrom, S. 158 – 164.
  • Nicht anders bereits Aristoteles, der erkannte, dass gesamtwirtschaftlich der Zinserlös genau den Verzinsungskosten der Schuldner entspricht, hierzu: Ulrich van Suntum, Die unsichtbare Hand – Ökonomisches Denken Gestern und Heute, 3. Aufl. 2005, S. 73 f.
  • Die Zentralbank kann dann mittels Zinspolitik die Kreditgeldschöpfung lediglich feinsteuern, nicht aber die Geldmengenvermehrung beseitigen, es sei denn sie würde die Leitzinsen negativ festsetzten, und zwar so stark negativ, dass die Geschäftsbanken nicht nur Gebühren auf ihre Einlagen bei der Zentralbank bezahlen, sondern ihrerseits Kredite kostenlos vergeben. Zur Möglichkeit negativer Leitzinsen vgl. Gregory Mankiw, It may be time for the fed to go negative, in: New York Times v. 19.04.2009; Hans Christian Müller, Negative Leitzinsen – Das Undenkbare denken, in: Handelsblatt v. 18.05.2009; Tobias Bayer, FED wünscht Zins von minus fünf Prozent, in: Financial Times Deutschland v. 28.04.2009; Willem H. Buiter, Overcoming the Zero Bound: Gesell vs. Eisler – Discussion of Mitsuhiro Fukao.s „The Efects of Gesell (Currency) Taxes in Promoting Japan’s Economic Recovery“, in: International Economics and Economic Policy, Vol. 2, Nr. 2-3, 2005, S. 189-200; ders./Nikolaos Panigirtzoglou, Overcoming the Zero Bound on Nominal Interest Rates with Negative Interest on Currency – Gesell’s Solution, in: Economic Journal, Vol. 113, Nr. 490, 2003, S. 723-746; ders., Negative Interest Rates: Three Ways To Overcome The Zero Lower Bound, Paper presented at Center for Financial Studies at the Goethe University, Frankfurt on 6th May 2009; ders./Nikolaos Panigirtzoglou, Liquidity Traps – Gesell’s Solution, in: Bank of England (Hrsg.), Working Paper v. 31.05.1999; ders., Eine bessere Zukunft mit negativen Zinsen, in: HUMANE WIRTSCHAFT 04/2009, S. 3 – 9.
  • Es wurde sogar eine weltweit konzertierten Aktion der Zentralbanken vermutet, vgl. Simon Bichlmaier, Umlaufsicherung vs. Niedrig-Zins-Politik und Inflationsstrategie der Notenbanken, in: HUMANE WIRTSCHAFT 02/2010, S. 6 f.
  • In etwas anderem Zusammenhang so auch Simon Bichlmaier, Umlaufsicherung vs. Niedrig-Zins-Politik und Inflationsstrategie der Notenbanken, in: HUMANE WIRTSCHAFT 02/2010, S. 4, 8.
  • Die Geldmengen-Kurve verläuft seit 2008 fast horizontal, vgl.: http://www.nowandfutures.com.
  • Vgl. etwa Rolf Obertreis, Billiges Geld für die Banken, in: Der Tagesspiegel v. 30.09.2009; S. Boehringer / T. Öchsner, Das große Versprechen des Josef Ackermann, in: Süddeutsche Zeitung v. 2.12.2009. Die schwerwiegendste Form der Kreditklemme ist die von John Maynard Keynes beschriebene Liquiditätsfalle.
  • Banco Central de Chile, Pressemitteilung v. 15.07.2010: http://www.bcentral.cl/prensa/comunicados-consejo/politica-monetaria/2010/rpm15072010.pdf.
  • Hierzu Manfred Max-Neef, Human Scale Development – Conception, Application and Further Reflections, New York – London 1991; ders., La economía descalza – señales desde el mundo invisible, Stockholm 1986; ders., La dimensión perdida – La deshumanización del gigantismo, Montevideo 2007.
  • Hierzu ausführlicher: Felix Fuders, Warum der Zins auch moralisch nicht zu rechtfertigen ist, in: HUMANE WIRTSCHAFT, Nr. 02/2010, S. 26 ff.

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Ein Kommentar

  1. Es ist an der Zeit die Macht der Banken zu brechen. Das ist allerdings nur möglich, über eine radikale Veränderung der politischen Landschaft, oder des politischen Systems. Dazu haben wir in Europa nicht die nötigen Mittel. Wir können nur einen Beobachterstatus einnehmen und darauf hoffen, dass das amerikanische Bankensysthem mit seinen kriminellen Machenschaften sich selbst vernichtet. Im Juli 1973 war es fast soweit, als der US-Dollar für ca. 14 Tage, international nicht mehr konvertierbar war. Wir können lediglich in kleinen Schritten, verzögernd einwirken, indem wir verhindern, dass das Bargeld abgeschafft wird. Das wäre die Vollendung des totalen Überwachungsstaats. Da sich in Deutschland die politische Landschaft, fast ausschließlich aus der Beamtenschaft rekrutiert, haben wir ein zusätzliches Problem, dass es so in anderen Ländern nicht gibt. Um diese unfähige und korrupe Krake zu schwächen, bleibt nur eine demokratische Reaktion, nämlich die totale Wahlverweigerung. Dazu müsste aber zunächst die gesamte Bevölkerung begreifen, dass, egal wen sie wählen, immer dahinter die Blockpartei steht, die mit Bankenstützung und Griechenlandrettung (in die Taschen der Bänker), ihr gesamtes Privatvermögen verkaspern. Das verstößt gegen sämtliche § des Grundgesetzes. Wir erleben den Totalausverkauf des privaten Volksvermögens, durch „gewählte Politiker“.
    Dazu Prof. Schachtschneider (Der Untergang Europas). Das ist die Realität.
    http://www.youtube.com/watch?v=tKU09Bq8EOs
    Ferner Prof. Franz Hörmann (Fiat Money)
    http://www.youtube.com/watch?v=vDyYe4iss4A
    Oder Andreas Popp (Zwangshypotheken)
    http://www.youtube.com/watch?v=jeGnYEHj3Hw
    Gregor Schock Hamburg…http://www.polithammer.de

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