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In diesem Bereich stellen wir Euch Fachpuplikationen zu unseren Themen zur Verfügung. Diese werden durch unterschiedliche Referenten verfasst und dienen zusätzlich zu unseren Videobeiträgen dem Selbststudium, der Weiterverbreitung und als Diskussionsgrundlage.

   

Artikelinformationen:

Veröffentlicht am:
9. Oktober 2013
Autor(en) des Artikels:
Prof. Dr. Dirk Löhr

Ordnungspolitischer Rahmen fĂĽr eine Energiewende

 

1. Zur EinfĂĽhrung: Eine Landkarte

Am 17. März 2012 datiert der 150. Geburtstag von Silvio Gesell. Bekannt ist Gesell v.a. als Begründer der Freiwirtschaftslehre, die oft verkürzend mit der Freigeldtheorie identifiziert wird. Weniger bekannt, aber dafür umso wichtiger ist, dass der Ansatz Gesells über die Macht des Geldes hinaus gegen die Macht sämtlicher monopolartiger Gebilde in Wirtschaft und Gesellschaft gerichtet war. Der vorliegende Aufsatz versucht, diesen Gedanken im zeitgenössischen Kontext auf den Energiesektor bezogen weiterzuentwickeln: Inwieweit beeinflusst Macht die Art und Weise, wie wir mit Energie versorgt werden?

Die "Regelzonen" der vier groĂźen Stromversorger

 
Gerade vor dem Hintergrund der Energiewende ist diese Sicht der Dinge wichtiger denn je. Unsere Darstellung konzentriert sich nachfolgend auf das Feld der Elektrizitätswirtschaft.

Die Elektrizitätswirtschaft ist – zumindest in Deutschland – hochgradig vermachtet. Die großen vier Verbundunternehmen (E.ON, Vattenfall, RWE und EnBW) beherrschten 2009 ca. 80% des Erstabsatzes auf dem deutschen Strommarkt. Nach der Abschaltung der Kernkraftwerke bis Ende 2022 im Gefolge der Ereignisse von Fukushima in 2011 werden sich jedoch ihre Marktanteile voraussichtlich auf deutlich unter 80 % verringern.1 Die Elektrizitätswirtschaft fügt sich insoweit in den Reigen der problematischen Wirtschaftsgüter und Einrichtungen ein, die in Feld (1) von Tabelle 1 zu finden sind (hierbei handelt es sich um idealtypische Unterscheidungen).2

Idealtypen Assets / Einrichtungen sind schwer ersetzbar und schwer reproduzierbar Assets / Einrichtungen sind leicht ersetzbar und leicht reproduzierbar
Exklusivität: Privateigentum (res privatae) (1) Schwer reproduzierbare und ersetzbare Assets: Geld, Boden, Patente, etc.; im Energiebereich: Netze, Grundlastkraftwerke
Schutzzone vor Wettbewerb
(2) „Normale Investitionsgüter“: z.B. private Kleinkraftwerke
Entkapitalisierungs- und Machtbegrenzungsfunktion des Wettbewerbs
Commons / Gemeineigentum (res communes) (3) Gemeinschaftlich verwaltet, z.B. Microgrids (4) Gemeinschaftlich hergestellt, z.B. Energiegenossenschaften
Staatliches Eigentum (res publicae) (5) Unter öffentlicher Verwaltung, z.B. Mittel und Niedrigspannungs- netz (6) Durch öffentliche Hand produziert, z.B. Stadtwerke
Keine Ausschließbarkeit, keine Zugangsregeln: Open access (res nullius) (7) Unreine öffentliche Güter, z.B. Atmosphäre als Senke
Problem: Ăśbernutzung
(8) Reine öffentliche Güter: z.B. Wissen (EE), öffentliche Gesundheit etc.
Problem: Unzureichende Produktion

Tabelle 1: Eine Landkarte zur Orientierung
In der rechten Spalte sind Güter und Einrichtungen3 dargestellt, die grundsätzlich leicht vermehrbar sind. Tauchen beispielsweise (im Falle von Feld (2)) irgendwo Pioniergewinne auf, kann es zu Markteintritten kommen; die Pioniergewinne können wegkonkurriert und das Angebot bedarfsgerecht gesteigert werden. Die rechte Spalte ist (mit Ausnahme der Güter im open access) grundsätzlich Markt- und Wettbewerbsmechanismen zugänglich, über die verschiedenen Eigentumsformen hinweg.
Die linke Spalte hingegen bildet Wirtschaftsgüter und Märkte ab, in denen aufgrund ihrer natürlichen oder rechtlichen Eigenschaften Markteintritte nur schwer möglich sind. Zu nennen sind hier Vermögenswerte und Einrichtungen mit einer geringen Produktions- und Substitutionselastizität (darunter übrigens auch Geld4), aber auch Märkte mit hohen Eintrittsbarrieren (schwer bestreitbare Märkte5). Richtet sich beispielsweise die Nachfrage auf Güter und Einrichtungen in Feld (1), so kann das Angebot nicht beliebig ausgeweitet werden; die erhöhte Nachfrage bewirkt lediglich höhere Angebotsrenten und eine entsprechende Umverteilung von Einkommen und Vermögen. Marktwirtschaft mit der für sie charakteristischen horizontalen Koordination kann in der linken Spalte nicht befriedigend zur Geltung kommen. Die strukturelle Knappheit des Angebots von Assets (= Eine Ressource mit ökonomischem Wert, z.B. Geld, Boden, Patente usw.) und Einrichtungen bei gleichzeitigem Ausschluss von bedürftigen Wirtschaftsteilnehmern bildet den Uterus wirtschaftlicher Macht in Feld (1).6 Hier befindet sich die Heimat der großen vier Kollektivmonopolisten (E.ON, RWE, Vattenfall, EnBW) im Strombereich, auf den sich die nachfolgende Abhandlung konzentriert.

2. Verhinderung von Rent-Seeking und ökonomischer Macht

2.1. Liberalisierung und Privatisierung
Die von der EU-Kommission angestoßene Liberalisierungsstrategie (bei der Energiewende) war durch die Hoffnung getragen, dass die Marktkonkurrenz zu sinkenden Preisen führe. Die Liberalisierung des deutschen Strommarktes war eine Umsetzung der EU-Binnenmarktrichtlinie Strom. Schon zuvor war die EU auch in anderen Bereichen ein Motor für Liberalisierung und de facto auch für Privatisierung (Telekommunikation, Post und Verkehr). Offenbar werden von der EU Marktwirtschaft und Wettbewerb als universell anwendbare Prinzipien angesehen. Tatsächlich bewirkt in der rechten Spalte von Tabelle 1 der Marktmechanismus ein Wegkonkurrieren von Vorsprungsgewinnen, und zwar über verschiedene Rechtsformen hinweg. Der Wettbewerbsmechanismus erfüllt insoweit eine Entkapitalisierungsfunktion. Eng damit verbunden ist die Machtbegrenzungsfunktion: Die Akkumulation von Kapital, die Ausbildung wirtschaftlicher Macht und ihr Ausstrahlen in den politischen Bereich wird begrenzt. Allerdings: Maßgebliche Einrichtungen und Wirtschaftsgüter des Stromsektors gehören in die linke Spalte von Tabelle 1. Dieser Bereich ist für Marktmechanismen jedoch nur sehr beschränkt zugänglich. Insbesondere bei Feld (1) handelt es sich um eine Schutzzone vor Wettbewerb, innerhalb derer sich ökonomische und politische Macht ballen kann.
Obwohl die EU die Frage des Eigentums an den liberalisierten Industrien grundsätzlich offen lässt, wird in der politischen und wissenschaftlichen Diskussion von der Überlegenheit privatwirtschaftlicher Lösungen in Puncto Effizienz ausgegangen. Privateigentum ist demnach am effizientesten (Effizienz als dominierender Leitwert!) und alle anderen Formen gelten als minderwertig. Durch die Verankerung des Privatisierungsdogmas in Köpfen und Regelwerken besteht die Gefahr, dass andere Wirtschaftsformen (v.a. Öffentliche Versorgung, „assoziatives Wirtschaften“, „Commons“) weggewalzt werden. Mit dem privaten Eigentum an Vermögensgegenständen im Feld (1) der Tabelle 1 sind zudem regelmäßig externe (Opportunitäts-) Kosten verbunden (z.B. Zugangsblockaden, Kapazitätshortung7). Weiterhin wird die Wohlfahrt durch Monopolrenten (höherer Preis, geringere Menge) reduziert. Wenn der Nutzen aus der (Kollektiv-)Monopolposition mächtigen und gut organisierten Interessengruppen zugute kommt, die Kosten (u.a. von Systemblockaden) aber auf schlecht organisierte Gruppen und/oder die Allgemeinheit abgewälzt werden können, wird Rent-Seeking und State-Capture-Verhalten in Feld (1) / Tabelle 1 geradezu provoziert. Denjenigen Ideologen, die ohne weitere Differenzierungen das hohe Lied des Privateigentums singen („one size fits all“), muss mit Walter Eucken entgegengehalten werden: „Privateigentum hat (…) je nach der Marktform ganz unterschiedlichen Charakter; und je nachdem ändert sich die Funktion des Eigentumsrechts.“8

2.2. Entwicklung nach der Liberalisierung
Nach der Liberalisierung stellten sich monopolartige Strukturen v.a. bei der Stromerzeugung und beim Stromtransport ein, doch auch Stromverteilung und Vertrieb waren vermachtet:

  • Stromerzeugung: V. a. der Grundlastbereich (Atomkraftwerke, Braunkohlekraftwerke) zeichnet sich durch einen hohen Anteil fixer und einen geringen Anteil variabler Kosten aus. Dementsprechend hoch sind die Deckungsbeiträge der betreffenden Kraftwerke. Zumal die fixen Kosten hier auch den Charakter „versunkener Kosten“ haben (hohe und irreversible Kosten des Markteintrittes), sind die betreffenden Märkte schwer bestreitbar: Ganz typisch fĂĽr Feld (1) in Tabelle 1 sind also Markteintritte kaum möglich.9
    Verstärkt wird dies noch durch den langen zeitlichen Vorlauf für die Errichtung neuer Kraftwerke und die regulatorische Unsicherheit (z.B. die Ausstiegsdebatte bei der Kernkraft). Hinzu kommen noch folgende Besonderheiten bei Grundlast- Kraftwerken: Kernkraftwerke dürfen nach dem Atomausstieg in Deutschland nicht mehr zugebaut werden. Das Potenzial für Laufwasserkraftwerke ist weitgehend ausgenutzt und die Braunkohletagereviere befinden sich weitgehend in der Hand von RWE, Vattenfall und E.ON. Für potentielle Konkurrenten ist somit der Markteintritt mit Kraftwerken im Grundlastbereich nicht möglich.10
    Nicht zufällig besaß das Kollektivmonopol der „großen Vier“ bis vor dem Atomausstieg 96% aller Grundlastkapazitäten auf dem deutschen Energiemarkt.11

  • Hochspannungsleitung

    Stromtransport und Stromverteilung: Bei den Netzen für Stromtransport und -verteilung handelt es sich um ein „monopolistisches Bottleck“, d. h. zu den hohen „versunkenen Kosten“ tritt ebenfalls die für das natürliche Monopol charakteristische Subadditivität von Kosten (ein Unternehmen kann den Markt kostengünstiger bedienen als eine Vielzahl konkurrierender Unternehmen).12
    Markteintritte sind kaum möglich, die „Heimat“ des Netzmonopols ist ebenfalls Feld (1) / Tabelle 1. Als Eigentümer der Hochspannungsnetze waren die EVUs nach der Liberalisierung in der Lage, Konkurrenten u.a. durch überhöhte Durchleitungsentgelte zu blockieren. Die großen Stromkonzerne schienen sich zudem den Stromtransport in Deutschland untereinander aufgeteilt zu haben.13
    Die Durchleitungsschwierigkeiten neuer Anbieter verschafften den „großen Vier“ ohne Absprachen einen Gebietsschutz.14
    Anders als beim Stromtransport (Hochspannungsnetze) bedienen bei der Stromverteilung (Mittel- und Niedrigspannungsnetze) regionale oder kommunale Versorger einen groĂźen Teil des Marktes. Dennoch sind die groĂźen EVUs ĂĽber Beteiligungen und Formen des Public Private Partnership auch in diesem Bereich stark vertreten.15

  • Vertrieb: Der Verkauf der elektrischen Energie an den Verbraucher war noch am ehesten durch Wettbewerb geprägt. Allerdings waren auch einige der vermeintlichen Konkurrenten bei näherem Hinsehen ebenfalls Konzernangehörige der groĂźen Vier. Zudem kam es zu Marktbereinigungen und Fusionen.

Insgesamt gilt der deutsche Strommarkt als stark vertikal integriert und hochgradig vermachtet. Zwar schien sich während der ersten Jahre der Liberalisierung die Hoffnung der EU-Kommission tatsächlich zu erfüllen. Rasch stiegen die anfangs noch gesunkenen Preise im Zuge der sukzessiven Vermachtung der Märkte nachhaltig an. Auch die EU-Kommission hat mittlerweile erkannt, dass die sog. „Liberalisierung“ des Energiemarktes zu paradoxen Resultaten geführt hat.

3. Zugang, Verteilungsgerechtigkeit und die Energiebananenrepublik Deutschland

Strompreisentwicklung

Mit der Energiewende werden zusätzliche Kosten erzeugt. Die Umsetzbarkeit in einem demokratischen Gemeinwesen hängt auch davon ab, wer die Kosten trägt. Nun sind Preisniveau und Preisniveausteigerungen bei Energie allgemein und Strom im Speziellen in Deutschland schon sehr hoch – zu einem beachtlichen Teil handelt es sich hierbei um Monopolgewinne (der „großen Vier“). Von 2007 bis Mai 2010 erhöhte sich der Index der Verbraucherpreise um knapp 4%, die Strompreise stiegen während derselben Zeit aber um mehr als 17 %.16  Die Strompreise liegen um ca. ein Drittel über dem Niveau, das sich bei Wettbewerb ergäbe. Deutschland hat damit die zweithöchsten Strompreise in Europa (Durchschnitt 2009: 23 Cent/Kwh bei einem europäischen Durchschnitt von 16,5 Cent/Kwh).17 Ein Wettbewerb, der neben der Entkapitalisierungs- auch eine Entmachtungsfunktion erfüllen könnte, existiert nicht, wenngleich die EVU-Lobby (VDEW, VDN62) dies behauptet. Neuerdings gesellt sich die EE-Lobby an ihre Seite und greift v.a. bei EEG-Förderungen ab. Beide Seiten werden auf Kosten der schwach organisierten Verbraucher mit öffentlichen Geldern und Umlagen bedient. Deutschland erscheint als eine „Energiebananenrepublik“18, durchsetzt von Rent-Seeking und State Capture. Bezeichnend für die Gefangennahme des Staates ist die neue Netzentgeltumlage (ab 2012 müssen bei einem Verbrauch ab 10 Mio Kwh keine Netzentgelte mehr bezahlt werden) sowie die neue EEG-Umlage (2013), die die Großindustrie mit ca. 1,4 Mrd. Euro auf Kosten der Stromkunden entlastet.19 Ein an Verteilungsgerechtigkeit und Access orientierter Gegenentwurf setzt daher auch umfassende Änderungen im Staatswesen voraus. Grundlegend ist ein Entkapitalisierungs- und Rückverteilungsregime mit folgenden Grundzügen: Hochspannungs- und regionale Verteilernetze werden wie die verbleibenden Grundlastkraftwerke in das Eigentum der öffentlichen Hand überführt. Caps an Ressourcen und Senken (CO2-Zertifikate und andere Rechte) werden (schon bei Inverkehrbringung20) versteigert, ersatzweise werden Steuern erhoben. Die Preise für fossile Energieträger und Strom aus fossilen Energien würden entsprechend steigen und EE auch ohne Subventionen konkurrenzfähig. Die Versteigerungserlöse und Ressourcensteuern fließen in spezielle Fonds.21 Nach Instandhaltung der Netze und Kraftwerke (Abschreibungen) und übrigen Ausgaben könnte der Staat die Gewinne aus den Fonds wieder an die Bürger zurückverteilen (z.B. im Rahmen der Steuererklärung). Wer durch sein Verhalten in überdurchschnittlichem Ausmaß zur Beeinträchtigung der Umwelt beiträgt, zahlt in seinen Energiegebühren mehr für die Inanspruchnahme der Emissionsrechte als er durch die Rückverteilung zurückbekommt. Diejenigen Bürger, die unterdurchschnittlich zur Umweltbeeinträchtigung beitragen, bekommen mehr zurück als sie über die erhöhten Preise abführen.

4. Ableitung von konstituierenden Grundsätzen für eine zeitgemäße Ordnungspolitik

Die Tabelle 2 stellt eine Übersicht über konstituierende Grundsätze für eine zeitgemäße Ordnungspolitik dar. Diese soll die von Walter Eucken aufgestellten Prinzipien22 nicht ersetzen, aber mit Blick auf Feld (1) / Tabelle 1 vervollständigen.

Die ersten drei Postulate beschäftigen sich mit der Staatstätigkeit i.e.S. Sie bringen auch den Gegensatz zwischen der herkömmlichen, auf Wettbewerbspolitik und der Begünstigung von Vielgestaltigkeit orientierten Politik zum Ausdruck. Notwendig ist ein starker, von Partikularinteressen unabhängiger Staat, der sich aber selbst zurücknimmt.23 Außerdem wird mit dem Subsidiaritätsprinzip dezentralen und nichtstaatlichen Lösungen ein prinzipieller Vorrang vor zentralistischen und staatlichen Designs eingeräumt. Die folgenden zwei, auf die Wirtschaft i.e.S. bezogenen Gestaltungspostulate richten sich insbesondere gegen Rent-Seeking, wie es mit Feld (1) untrennbar verbunden ist.

Energie muss erschwinglich sein. Dies kommt im sechsten Gestaltungspostulat zum Ausdruck. Schließlich müssen Kultur und Wissenschaft ihre Aufgabe als unabhängige und kritische Begleiter erfüllen. Sie dürfen nicht am Tropf von Partikularinteressen hängen. Reformen in dem von Silvio Gesell vorgedachtem freiwirtschaftlichem Sinne gehen also noch weit über die Neuordnung von Geldordnung und Bodenrecht hinaus. Es ist viel zu tun.

Sphären: Interdependenz Gestaltungspostulate Bedeutung, bezogen auf Tabelle 1

Linke Spalte Rechte Spalte
Planung und Ordnungsrahmen: Starker, sich selbst beschränkender Staat 1. Neutrale Planung, Ordnungspolitik
Aktive Gestaltung von Niveau und Struktur Ordnungsrahmen (statt MaĂźnahmenpolitik)
2. Vielgestaltigkeit, Relativität des Leitwertes Effizienz Differenzierung des Ordnungsrahmens, Begünstigung von Formen mit schwacher Finanzkraft, aber hohen externen Effekten
3. Subsidiarität und Transparenz Keine Informationsasymmetrien, Partizipation, Präferenz für subsidiäre Lösungen
Wirtschaft: Verhinderung von „Rent Seeking“ und ökonomischer Macht 4. Entkapitalisierung und Entmachtung
Primär vertikale Koordination, Aufhebung der Marktgegenseiten Primär horizontale Koordination, Sicherung des Wettbewerbs
5. Vermeidung von externen Kosten
Keine Abwälzung externer Kosten (insb.) auf schwache Gruppen Kompensierender Ordnungsrahmen, keine Subventionen
Soziales: Sicherung der Teilhabe an ehemals öffentlichen Gütern 6. Teilhabegerechtigkeit / Access
an natürlichen Ressourcen (i.w.S.) und Infrastruktur Zugang zu öffentlichen Gütern und staatlichen Leistungen
Kultur und Wissenschaft: Kritische Reflektion 7. Unabhängigkeit von Staat und Wirtschaft Sicherung der finanziellen Basis

Tabelle 2: Ordnungspolitische Postulate, nicht nur fĂĽr die Energiewende

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Anmerkungen:

  • Monopolkommission, Energie 2011: Wettbewerbsentwicklung mit Licht und Schatten, Sonder-gutachten Nr. 59, 2011, S. 18.
  • Vgl. D. Löhr, Die PlĂĽnderung der Erde, 2. Aufl., Kiel 2009, S. 69.
  • Damit wird auf das Konzept der „Essential Facilities“ aus dem US-amerikanischen Wettbewerbs- und Antitrust-Recht abgestellt, das auf die geringe Produktions- und Substitutionselastizität von Einrichtungen abstellt.– G. Knieps, Die Liberalisierung des deutschenTelekommunikationsmarktes: ZukĂĽnftige Regulierungserfordernisse im Lichte bisheriger Erfahrungen, in: Zeitschrift fĂĽr Wirtschaftspolitik, 48. Jg., H.3, 1999, S. 297-304, hier: S. 297 f.
  • J. M. Keynes, Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes, 6. Aufl., Berlin 1983, S. 193 ff.
  • Zum Konzept bestreitbarer Märkte vgl. W. J. Baumol, Contestable Markets: An Uprising in the Theory of Industry Structure, American Economic Review, Vol. 72, 1982, S. 1-15.
  • Vgl. hier auch die Kapitalismusdefinition von Gesell als wirtschaftlichem Zustand, „in dem die Nachfrage nach Leihgeld und Sachgut (Realkapital) das Angebot ĂĽbertrifft und darum den Zins bedingt.“ S. Gesell, Die NatĂĽrliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld, 9. Aufl., Lauf bei NĂĽrnberg 1949, S. 201, Anm. 1.
  • U.a. Monopolkommission, Strom und Gas 2009 …, a.a.O., S. 26.
  • W. Eucken, Grundsätze der Wirtschaftspolitik, a.a.O. S. 272.
  • Zur Theorie „bestreitbarer Märkte“ s. W. J. Baumol, Contestable Markets …, a.a.O. (Anm. 4).
  • C.Lang, Marktmacht und Marktmachmessung im deutschen GroĂźhandelsmarkt fĂĽr Strom, Wiesbaden 2007, S. 1-2.
  • F. Vorholz, Vom Stromschlag getroffen. Verbraucher, Firmen – das ganze Land leidet unter den hohen Preisen der Energieversorger. In: Die Zeit, 20.7.2006.
  • G. Knieps, Die Liberalisierung des deutschen Telekommunikationsmarktes…, a.a.O., S. 297 f.
  • B. Knierim, Monopol oder Wettbewerb auf dem Energiemarkt?, in: F. Creutzig / J. C. Goldschmidt (Hrsg.): Energie, Macht, Vernunft – Der umfassende Blick auf die Energiewende, Aachen 2008, S. 257-278, hier: S. 260.
  • R. Liedtke, Das Energie-Kartell – das lukrative Geschäft mit Strom, Gas und Wasser, Frankfurt 2006.
  • Die dominierenden Unternehmen sind groĂźenteils sogenannte „Multi-Utility-Unternehmen“, die in mehreren Bereichen der öffentlichen Daseinsvorsorge tätig sind. RWE ist zum Beispiel neben dem Strommarkt auch in der Gasversorgung und in der Trinkwasserversorgung (Berliner Wasserbetriebe, American Water, bis 2006 Thames Water) tätig. E.on ist durch seine Tochter Ruhrgas (seit 2003) gleichzeitig der größte deutsche Gasversorger. Auch Vattenfall ist mit der Beteiligung an der Berliner Gasag auf dem Gasmarkt aktiv. – Vgl. B. Knierim, Monopol oder Wettbewerb auf dem Energiemarkt?, a.a.O., S. 258.
  • Eigene Berechnungen, basierend auf: Statistisches Bundesamt, Statistischen Jahrbuch 2010/2011, Wiesbaden 2011, S. 517.
  • http://www.energieverbraucher.de/de/Energiebezug/Strom/ Preise/Laendervergleich__2017/ (eingesehen: Januar 2012).
  • Vgl.P.Fahr, Die Rollen von Eliten im Energiebereich oder: Deutschland – eine Energiebananenrepublik?, a.a.O.
  • ARD-Magazin MONITOR, Das Erste, 27.10.2011, 22.00.
  • Vgl. La zwei von Vielen P. Barnes / P. Pomerance, Pie in the Sky – The Battle for Atmospheric Rent, Washington 2000.
  • Das Nonaffektationsprinzip des § 8 BHO (keine Zweckbindung von Steuermitteln) kann ebenfalls einfachgesetzlich abbedungen werden.
  • W. Eucken, Grundsätze der Wirtschaftspolitik, a.a.O., 220 f., 252 f.
  • W. von Humboldt, Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen, a.a.O.

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  • Dirk Löhr ist Professor fĂĽr Steuerlehre und ökologischer Ă–konomie an der Hochschule Trier - Umwelt-Campus Birkenfeld sowie Dozent an der Ruhr-Universität in Bochum. Neben seiner Lehrtätigkeit ist er 1. Vorsitzender der Sozialwissenschaftlichen Gesellschaft e.V. und Sprecher des Zentrums fĂĽr Boden und Flächenhaushaltspolitik. FĂĽr seine unermĂĽdliche Arbeit im Bereich der Geld- und Bodenreform erhielt Dirk Löhr 1988 den Karl-Walker-Preis.


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