Zur Startseite  

Robin Hood Umlage Macht Geld Sinn Spende jetzt online GCN auf TwitterGCN auf FacebookGCN auf YouTube
MGS3: Ein RĂĽckblick von Veronika Spielbichler
 

Macht Geld Sinn Energie – was jeder ĂĽber Geldsystem, Demokratie und Energiewende wissen sollte…

Wir leben in einer komplexen Welt in einer Zeit rasanter Veränderungen. Um diesen Wandel selbst aktiv und konstruktiv mitgestalten zu können, bedarf es als Basis einer fundierten Bildung und Aufklärung über Hintergründe und Wirkungsweisen unseres bestehenden gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Systemes. Das Europa der Wissensgesellschaft nimmt der seit drei Jahren bestehende Verein Global Change Now e.V. ernst und arbeitet mit einem Netzwerk junger Aktivistinnen und Aktivisten durch die Organisation von Bildungsveranstaltungen daran, das notwendige Wissen zu vermitteln.

Nach dem Auftakt der Kongresswoche am Samstag, 9. März 2013, der Raum für die Vorstellung von Jugend-Initiativen bot (Bericht hier), standen von Sonntag bis Donnerstag fünf Tage lang täglich drei Vortrags-Termine mit drei parallel geführten Referaten beziehungsweise Workshops am Programm, bei denen rund 30 ExpertInnen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Religion und der Zivilgesellschaft informierten und mit den KongressbesucherInnen diskutierten. Wenn auch einzelne geplante Referenten krankheitsbedingt absagten, blieb doch ein dichtes Programm bestehen, das abends durch Podiumsdiskussionen und ein hochkrätiges Kulturprogramm ergänzt wurde.

Namentlich waren folgende ReferentInnen in alphabetischer Reihenfolge beim Kongress: Fritz Andres, Helmut Creutz, Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin, Prof. Dr. Gunter Dueck, Hans-Josef Fell, Prof. Dr. Felix Fuders, Sven Giegold, Prof. Dr. Joseph Huber, Roman Huber, Marcel Keiffenheim, Prof. Dr. Margrit Kennedy, Prof. Dr. Dirk Löhr, Thomas Mayer, Aiman Mazyek, Rene Mono, Andreas Neukirch, Dr. Barbara Niedner, Dr. Norbert Olah, Werner Onken, Prof. Dr. Max Otte, Prof. Dr. Niko Paech, Frank Schäffler, Sylke Schröder, Roland Spinola, Andreas Steinle, Hansjörg Stützle und Dr. Antje Vollmer. Der hier folgende Bericht stellt meine subjektive Wahrnehmung als Referentin und Teilnehmerin der gesamten Kongresswoche dar und bietet somit nur einen Einblick in das Geschehen, der längst nicht alle Referate umfasst.

Die Energiewende am PrĂĽfstand – Kritik, Chancen und ein visionärer Ausblick in die Zukunft

Während in der Bevölkerung weitgehend Konsens darĂĽber herrscht, dass nur eine zu 100 % aus erneuerbaren Rohstoffen gewonnene Energie zukunftsfähig ist, erzeugen Konzerne der zentralen Energieversorgungsunternehmen in Deutschland medialen Gegenwind gegen die Energiewende und verzögern ĂĽber den Einfluss ihrer Lobbyisten in der Politik den notwendigen technologischen Wandel. Warum die Argumente der Energie-Riesen falsch sind, erläuterte RenĂ© Mono, GeschäftsfĂĽhrer der Stiftung „100 prozent erneuerbar“, die interdisziplinär an Themen der Energiewende arbeitet und sich mit der Marktanalyse ebenso beschäftigt wie mit sozialen Aspekten. RenĂ© Mono belegt seine Forderung nach der vollständigen Umstellung auf Energiesysteme aus regenerativer Erzeugung und begrĂĽndete, warum die Energiewende nur dezentral gelingen kann.

Kostenwahrheit in der Energiediskussion fordert auch Prof. Dr. Dirk Löhr, Professor fĂĽr Steuerlehre und Ă–kologische Ă–konomik an der Fachhochschule Trier, der das weitgehend unbekannte „Tischlein-Deck-dich“-System der ökonomischen Renten am Strommarkt thematisierte. Da der Faktor Boden aus der ökonomischen Kalkulation verloren gegangen sei, holen sich die vier groĂźen Stromkonzerne RWE, Vattenfall, E.On und EnBW mit Grundlaststrom hohe Renditen, wobei hier Atom- und Braunkohlekraftwerke die höchsten Gewinne einfahren. Die ungelöste Entsorgungsproblematik des AtommĂĽlls wird dem Steuerzahler ebenso aufgebĂĽrdet wie die Umweltkosten, das Risiko tragen nicht die Unternehmen. Diese Systemfehler gelte es zu beseitigen. Löhr plädiert fĂĽr eine konsequente Abschöpfung der ökonomischen Renten und fĂĽr eine Koppelung von Kosten und Nutzen. Das Erneuerbare Energie-Gesetz EEG sieht Löhr nur als zweitbeste Lösung – effizienter wäre eine Verteuerung der fossilen Brennstoffe. Zur „Anatomie der Ausbeutung“ verfasste Dirk Löhr das Buch „Die PlĂĽnderung der Erde“ (http://www.die-pluenderung-der-erde.de/) und unterstĂĽtzt den Aufruf zu einer Grundsteuerreform in Deutschland (http://www.grundsteuerreform.net/).

Grundlagenforschung: Das Universum aus Sicht der widerspruchsfreien Elektrodynamik

Die Energiewende unter einem völlig anderen Gesichtspunkt sieht der Physiker Dr. Norbert Olah, der heute als Software-Entwickler in der Industrie tätig ist und einen spannenden Einblick in die Grundlagenforschung gab. Energiegewinnung ohne Verbrennung, ohne MĂĽllproduktion, ohne Emissionen und ohne Knappheit – dass das möglich sei, habe bereits Nikola Tesla bewiesen.

Das elektrische Räderwerk der Natur verstehen und sich bei der Energiegewinnung in kosmische Energiekreisläufe einklinken sei der Weg, unbeschränkt Energie zu gewinnen. Solar- und Windenergie seien die Vorboten dieser neuen Technologie, deren Pioniere Nikola Tesla, Immanuel Velikovsky, James McCanney und Konstantin Meyl seien. Sein Wissen vermittelt Dr. Norbert Olah im Buch „Einsteins Trojanisches Pferd – eine thermodynamische Deutung der Quantentheorie“.

Norbert Olah gelang es in seinem Vortrag, im Vergleich mit Beobachtungen im Kosmos die Theorie des elektrischen Universums auch für Laien verständlich darzustellen. Wie das Weltraumwetter unser Wetter auf der Erde beeinflusst war ebenso Thema wie die Wirbelphysik. Olah verwies da besonders auf die Forschungen und Experimente von Konstantin Meyl. In den Neutrinos sieht Olah die Erklärung dafür, dass die Erde wächst und jedes Jahr 19 cm mehr Umfang aufweise. Das Universum durch die Brille der Elektrodynamik zu sehen stellt aber auch viele bisherige wissenschaftliche Theorien in Frage. Den spannenden Vortrag gibt´s übrigens wie viele weitere auch bei GCN als DVD.

Geld – eine Frage der Demokratie!

Was ist Geld überhaupt? Wer sich mit dieser Frage beschäftigt, kommt bald drauf, dass Geld nicht gleich Geld ist. Und vor allem ist es eines nicht: neutrales Tauschmittel. Am Geldsystem hängen Macht- und Verteilungsstrukturen, die weitgehend nicht im Bewusstsein der Menschen verankert sind. Wie Geld funktioniert und wie es vor allem besser funktionieren könnte, damit befasste sich eine Reihe von Referaten beim MGS3-Kongress 2013.

Die „Volksinitiative Demokratisches Vollgeld statt Finanzkrisen, Inflation und Staatsverschuldung“ stellte Thomas Mayer von „Mehr Demokratie e.V.“ vor und lieferte dazu zunächst Grundlagenwissen ĂĽbers Geldsystem, das derzeit so konstruiert sei, dass „keiner mehr durchblickt“. Dass EZB-Geld nicht im Konsum landet, Buchgeld gesetzlich nicht geregelt ist und ĂĽber unser Geldsystem, das systematisch umverteilt, einen Wachstumszwang verursacht und verschleiert, nie demokratisch abgestimmt wurde sind Fakten. „Jede politische Ebene braucht ein Geldsystem“, erklärte Mayer und konkretisierte: „Weltweit eine Clearing Union, auf nationaler Ebene statt des oligarchischen Bankengeldes jetzt Vollgeld und auf regionaler Ebene Komplementärwährungen.“

Die Verwirrung beim Thema Geld resultiert aus unserem fehlenden Wissen und Verständnis über die Geschichte des Geldes, und wie es sich im Lauf der Zeit verändert hat. Mayer unterscheidet anhand der Geldschöpfung, also Geldentstehung, vier Geldarten in der Geschichte: Kultisches Gottesgeld, das als Geschenkgeld nicht zum Handeln verwendet wurde. Absolutistisches Herrschergeld, das Könige und Fürsten ab etwa 500 vor Christus ausgaben. Oligarchisches Bankengeld, das ab ca. 1500 n.Cr. in Form von Papiergeld und ab 1875 in Form von Buchgeld ausgegeben wurde und demokratisches Vollgeld, in dem die Demokratie ihren Ausdruck findet, indem der Großteil des Geldes nicht wie jetzt von den Geschäftsbanken, sondern vom Staat selbst zinsfrei in Umlauf gebracht werde.

„Wie konnten wir nur so dumm sein, den Banken die Geldschöpfung zu ĂĽberlassen? Der jährliche Geldschöpfungsgewinn von rund 170 Milliarden Euro in Europa geht an die Banken – das entspricht der Wirtschaftsleistung von ganz Portugal“, so Mayer, der das Prinzip erklärte: „Die Bank erzeugt das Geld und verleiht es gegen Zins dem Staat. Warum machen wir es nicht selber und fĂĽhren die Geldschöpfung in die öffentliche Hand zurĂĽck?“

Wie das geht, zeigt das Vollgeld-Konzept, das das Geldschöpfungsmonopol der öffentlichen Hand als Monetative neben Legislative, Exekutive und Judikative als vierte, von der Politik unabhängige, demokratisch legitimierte Säule im Staat verankern will. Mit dem angenehmen „Nebeneffekt“, die mittlerweile enormen Staatsschulden tilgen zu können. Vollgeld soll vom Staat zinsfrei in Umlauf gebracht werden. Wie´s funktioniert, erklärt Thomas Mayer auch auf der Website www.eurorettung.org, weitere Informationen dazu gibt´s auf auf www.monetative.de und www.vollgeld.ch

„WofĂĽr brauchen wir in Zukunft noch Banken?“ – dieser Frage stellte sich Andreas Neukirch, Vorstand der genossenschaftlichen GLS-Bank mit Sitz in Bochum und wies auf die gesellschaftspolitische Aufgabe hin, die Genossenschaftsbanken wahrnehmen. Als Aufgabe der GLS-Bank sieht er, sensibel zu bleiben fĂĽr gesellschaftliche Entwicklungen und fĂĽr zukunftsfähige Projekte Finanzierungsinstrument zu sein: „Wir sind Finanzvermittler, nicht Rendite-Optimierer.“ Um GroĂźbanken zu zerschlagen, plädiert Neukirch fĂĽr eine „massive Aufstockung des Eigenkapitals“.

Eine interessante Podiumsdiskussion leitete die Journalistin Kathrin Latsch, die Marcel Keiffenheim, den Leiter fĂĽr Energiepolitik bei Greenpeace Energy und GLS-Vorstand Andreas Neukirch zu den Themen Ethisches Investement interviewte. „Aufgrund der Auflagen von der Regierung sind viele Projekte zur Umsetzung der Energiewende nicht mehr rentabel, deren Finanzierung ist gefährdet“, informiert Keiffenheim: „Ab 1. August 2013 werdne sich die meisten Anlagen nicht mehr rechnen.“ Keiffenheim sieht in der Finanzkrise die Genossenschaft als aktuelles Gesellschaftsmodell, um dem steigenden Problembewusstsein gerecht zu werden. Genossenschaften sind vielfach die rechtliche Basis fĂĽr BĂĽrgerbeteiligungsmodelle zur Errichtung von Kraftwerksanlagen mit erneuerbaren Energieträgern. „Die Energiewende von unten soll weitergehen – dezentral und mit BĂĽrgerbeteiligung. Sonst geht sie nicht weiter“, ist Keiffenheim ĂĽberzeugt.

Die Boden- und damit die Eigentumsfrage neu stellen

„Vom Landgrabbing zu Landreformen“ – Dipl.Ă–k. Werner Onken, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung fĂĽr Reform der Geld- und Bodenordnung, Redakteur der Zeitschrift fĂĽr Sozialökonomie und Experte fĂĽr Freiwirtschaft und Geldreform, befasste sich in seinem Referat mit der Geschichte der Bodenreformbewegung bis hin zu den AuswĂĽchsen der Bodenprivatisierung durch Konzerne heute. In der Geschichte der Bodenreformer ist Silvio Gesell Bindeglied zwischen den Themen Geld- und Bodenreform. Werner Onken, der 1983 beim Besuch eines INWO-Kongresses in Wörgl den Beschluss fasste, das Archiv fĂĽr Geld- und Bodenreform aufzubauen, wĂĽrdigte Gesells Ăśberlegung als „sehr weitsichtig“, die Eigentumsfrage hinsichtlich der Nutzung der Ressourcen neu zu stellen und diese als „Menschheitseigentum“ zu definieren, die der Völkerbund verwalten sollte. FĂĽr die private Nutzung von Rohstoffen sollte Steuer gezahlt werden, die pro Kopf an die Weltbevölkerung ausgezahlt wird – „das lässt scih mit dem Grundeinkommen gut verbinden“, so Onken. Gesell sah die „Erde als Gemeinschaftsgut aller Menschen“ und auch Rudolf Steiner sage in seiner sozialen Dreigliederung ähnliches: „Geld soll sich nicht im Boden durch Grundkäufe stauen.“

„Wir sind Treuhänder des Bodens, nicht EigentĂĽmer oder Besitzer – es bruach eine neue innere Haltung zum Boden und neue Strukturen“, ist Onken ĂĽberzeugt. Die Landgrabbing-Problematik erstrecke sich mittlerweile nicht nur auf den Boden, auch auf Gene, Saatgut, Wasser, Luft, Gesundheit und Wissen – das Geld dringe in immer mehr Bereiche vor und verwandle Lebensgrundlagen in Handels- und SpekulationsgĂĽter. Der Boden mĂĽsse als gemeinsames Gut anerkannt werden, GebĂĽhren fĂĽr die private Nutzung sollten eingehoben und an die Bevölkerung verteilt werden. Als positiven Ansatz sieht Onken dazu den Trend zur Schaffung von Allemenden und GemeingĂĽtern, die nicht ĂĽber Eigentum, sondern ĂĽber Nutzungsrechte genĂĽtzt werden.

Leben in einer Welt ohne Wachstum – wie kann das gehen? Und noch dazu attraktiv sein? Wie die Befreiung vom Ăśberfluss in einer Postwachstumsökonomie organisiert und fĂĽr alle zum Gewinn werden kann, schilderte Prof. Dr. Niko Paech, Dipl.Volkswirt und Gastprofessor am Lehrstuhl fĂĽr Produktion und Umwelt an der Uni Oldenburg. Beim Kongress trafen sich auch aktive Menschen, die bereits jetzt Neues wagen – Frank Scheppke vom Kannwas (www.kannwas.org)dem drittältesten Regiogeld in Deutschland und Martin Westendorff, der mit seinem „Fach-Laden“ in Nortrop eine tolle Einrichtung zur Gemeinschaftsbildung, Förderung der Kreativität und des Zusammenhaltes geschaffen hat. Er bietet einen Laden mit Regalwänden, deren Fächer er vermietet. Regal mieten und verkaufen lassen, lautet die Devise, die auf ein groĂźes Echo in der Bevölkerung gestoĂźen ist. Jetzt wird der Fach-Laden um eine CafĂ©-Ecke erweitert, um Raum fĂĽr Vernetzung und gegenseitiges Kennenlernen zu schaffen. Weitere Infos dazu gibt´s auf  www.fach-laden.de

Helmut Creutz zur Wirkungsweise unseres Geldsystems

Die Bundeszentrale von Global Change Now ist mit Villa Creutz nach ihm benannt  – Helmut Creutz zählt zu den Pionieren der Geldreformbewegung, der seit den 1980er Jahren auf die Wirkungsweise des zinseszinsbelasteten Geldsystems aufmerksam macht und Aufklärungsarbeit mit zahlreichen BĂĽchern und Vorträgen leistet. Beim Macht Geld Sinn Energie Kongress ging er am letzten Kongresstag in seinem Referat auf die „Problemfelder unseres Geldsystemes“ ein und ging dabei auf Staatsverschuldung und den Zins als Wachstumstreiber ein und erklärte, warum jeder Zinsen zahlt, auch wenn man keinen Kredit hat.

„Schulden zahlen sich nicht aus – mit den Krediten von heute zahlt der Staat nur die Zinsen von gestern auf Kosten der Generation von morgen“, zitierte Creutz den deutschen Staatssekretär im Finanzministerium Manfred Overhaus und stellte zur Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich fest, dass die „erträgliche Grenze längst ĂĽberschritten ist“. Im jetzigen System seien 80 % der Menschen immer Verlierer. Creutz bezeichnete einmal mehr den Zins als „Wurzel des Ăśbels, der durch den Zinseszinseffekt die Geldströme wachsen lässt.“

 

„Wir brauchen eine ganzheitliche Ethik und eine neue Leitkultur“

In Dialog treten mit anderen – der MGS3-Kongress öffnete sich neuen Themenbereichen wie Energie und Demokratie, aber auch fĂĽr den interreligiösen Dialog zwischen Christen und Muslimen mit der Zielsetzung, die gemeinsame Wirtschaftsethik zu betonen und eine notwendige ĂĽberkonfessionelle Debatte ĂĽber das Zinsthema anzustoĂźen.

„Wir sind eine säkulare Organisation, aber wir sind dialogfähig“, erklärte GCN-Generalsekretär Tom Aslan bei der Vorstellung von Aiman Mazyek, der beim MGS3-Kongress seine Gedanken zur Frage „Lassen wir uns tatsächlich von einer universellen Ethik und den Menschenrechten in wirtschaftlichem und ökologischem Handeln leiten?“ formulierte und zunächst Grundsätzliches ĂĽber den Islam voran stellte.

Mazyek ist Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Deutschland, in der Hilfsorganisation GrĂĽnhelme e.V. tätig und vertritt liberale Standpunkte zum Islam. Waren es in den 1960er Jahren noch 400.000 Muslime in Deutschland, so sind es heute an die vier Millionen in 2000 Gemeinden, organisiert in vier Verbänden. In der gegenwärtigen Islam-Debatte werde die Religion sehr oft missverstanden. „Islam bedeutet Hingabe zu Gott, Frieden machen – und das verpflichtet zu Gerechtigkeit gegenĂĽber den Menschen und der Umwelt, zu Barmherzigkeit und Vergebung“, so Mazyek, wobei der Islam keine Unterscheidung von weltlich und religiös gebe, anders als in der europäischen Aufklärung sei keine Trennung von Religion und Vernunft erfolgt. „Jeder Mensch ist Gottesstellvertreter auf Erden. Das heiĂźt die Erde pflegen und hegen, nicht Untertan machen und ausbeuten.“

Dass der Islam heute so kontrovers wahrgenommen und emotional diskutiert wird, liege auch daran, dass viele Missstände auf den Islam projeziert werden, mit denen sozioökonomische Probleme verbunden sind. Das Trennende werde künsltich herausdestilliert und als Gefahr erklärt, Vorurteile und Ressentiments gepflegt sowie in der Sündenbock-Diskussion Ersatzbefriedigung gesucht. Die Religion werde als Problem definiert, nicht über das Verbindende.

„Die Demokratie und der Wohlstand heute sind gefährdet, von MaĂźlosigkeit bedroht – das Thema der Religion ist MaĂźhalten“, so Mazyek. Der Kapitalismus dĂĽrfe keine neue Religion sein. „Beim Geld brauchen wir eine notwendige Debatte ĂĽber das Zinsthema, ĂĽberkonfessionell. Durch Wissenschaftsgläubigkeit und MaĂźlosigkeit haben wir verlernt, den ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen. Es ist unsere einzige Chance, Spielregeln fĂĽr alle aufzusetzen.“ Bis heute habe man es nicht geschafft, den Ressourcen-Raubbau in den Gleichungen der Volkswirtschaft unterzubringen. „Wir sehen nicht ganzheitlich – jeder sieht nur sein Feld. Was wir brauchen, ist eine ganzheitliche Ethik – und dieser Prozess braucht das Gehirnschmalz vieler. Wir brauchen eine neue Leitkultur jenseits von rechts und links.“

„Es bewegt sich garnichts, wenn man selbst nichts tut“

Sie beschäftigt sich seit 50 Jahren durchgehend mit Politik, ist ein „Urgestein“ der SPD, seit 1972 Mitglied im Bundestag, war von 1998 bis 2002 Justizministerin und arbeitet als Beraterin in Menschenrechts- und Rechtsstaatfragen, ist Honorarprofessorin an der Freien Universität Berlin und fĂĽhrte Bundesklage gegen ESM und den Europäischen Fiskalpakt – Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin kennt alle Facetten der Politik. Sie versteht die Politikverdrossenheit vieler, ortet dahinter OhnmachtsgefĂĽhle. Aber wie geht man damit um?

Däubler-Gmelin kommt aus der 1968-Bewegung und wurde im Bundestag immer wieder mit der Frage konfrontiert, was ist ein verantwortungsvoller Kompromiss? Was eine Minderheitenposition? Und was Unterwerfung? Ohnmächtig fĂĽhlen sich nicht nur BĂĽrger, das GefĂĽhl kennen auch ihre Volksvertreter. Macht und Politik gehöre zusammen: „Politik, die Macht nicht will, ist Spielerei.“ Aber welche Macht? Sie unterscheidet zwischen absoluter, „von oben“ legitimierter Macht und gebundener Macht, der Vollmacht, die „von unten“ durch einen Gesellschaftsvertrag – die Verfassung – eine inhaltliche Bindung an Menschenrechte und Gewaltentrennung sowie demokratische Kontrolle umfasst.

Gebundene Macht in einer Demokratie mĂĽsste also Ohnmacht, die angesichts absoluter Machtverhältnisse auftritt, ausschlieĂźen. Dass diese missbauchsanfällig sei, zeigen Vorfälle wie Stuttgart 21, wo selbst eine Volksabstimmung nicht geschĂĽtzt habe. Die Eurorettung ähnle Stuttgart 21 in fataler Weise, meint Däubler Gmelin und hofft, dass beim ESM das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. „Die Euro-Rettung verändert Europa – weg von der parlamentarischen Kontrolle“, warnt sie. Die Eurorettung sei fĂĽr die sĂĽdlichen Länder eine Katastrophe – halbierte Gehälter, Streichung von Stipendien, gekĂĽrzte Renten etc. Und die EZB sei ĂĽberhaupt nicht kontrollierbar,  Europa habe kein System der gebundenen Macht, keine Bevollmächtigung.

Wird die politische Macht zu stark von Lobbyisten und Geld beeinflusst? Soll man das hinnehmen oder etwas dagegen machen? Däubler-Gmelin ist fĂĽr die zweite Variante und fordert die Wähler auf, aktiv zu werden und Abgeordnete direkt anzusprechen: „Man kann mehr Einfluss nehmen als man glaubt.“ Ob Abgeordneten-Watch, Lobbycontrol oder Transparency – der BĂĽrger soll mehr Transparenz und Kontrolle einfordern, wozu sie sich auch mehr Direkte Demokratie von den Kommunen bis hin zur europäischen Ebene wĂĽnscht. „Macht muss immer gebunden sein“, ist ihre Ăśberzeugung und „es bewegt sich garnichts, wenn man selbst nichts tut“ laute der Grundsatz der Demokratie. Die Veränderung von anderen zu erwarten funktioniere nicht, denn das sei „das Peinliche an der Demokratie – wenn man mit einem Finger auf andere zeigt, zeigen drei zurĂĽck zu einem selbst. Unsere Gesellschaft darf nicht weiter in Richtung marktfähige Demokratie verkommen“, lautet ihr Appell an die Zivilgesellschaft.

Und der geht auch dahin, selbst fĂĽr politische Ă„mter zu kandidieren. Bei Wahlen könnten nicht nur Parteien antreten, auch Einzelpersonen, wobei der Vorteil der Partei darin bestehe, dass vorher ein Porgramm da ist. Um zu gestalten, braucht es Mehrheiten, man mĂĽsse Werterahmen setzen und diskutieren. Wenn Parteien sich dann nicht an die Vereinbarung mit ihren Wählern halten, können sie bestraft werden, indem sie nicht mehr gewählt werden. Und was das Problem der Korruption betrifft, tritt Däumler-Gmelin seit Jahren fĂĽr größtmögliche Transparenz ein: „Alle EinkĂĽnfte sollen offengelegt werden, wie in Schweden.“

In der regen Diskussion kamen dann so einige Vorschläge – von der Bannmeile fĂĽr Lobbyisten bis hin zum Vorschlag, dass jeder 10 % seiner Einkommenssteuer zweckgebunden fĂĽr Projekte widmen kann. Ob denn der Politik die Zinsproblematik im Geldsystem nicht bewusst sei wurde ebenso gefragt wie nach dem Zusammenhang von Waffenexporten und Arbeitslosigkeit sowie mangelnder ökologischer Gesetzgebung und Arbeitslosigkeit. Herta Däumler-Gmelin räumte ein, dass der Wachstumszwang zur RĂĽstung fĂĽhre und bislang noch keine einzige Partei den Zins ablehne: „Die Diskussion ist noch lange nicht da, wo sie hingehört – das gehört noch deutlicher diskutiert.“

 

GCN: Netzwerk ausbauen und weitere Veranstaltungen

Global Change Now e.V. umfasst derzeit rund 80 AktivistInnen bundesweit und setzt auf dezentrale Strukturen. „Das Netzwerk soll funktionieren“, erklärte Tom Aslan, hier im Bild rechts mit GCN-GeschäftsfĂĽhrer Manuel SchĂĽrmann, und wies auf den jungen Altersdurchschnitt der Mitwirkenden hin, die eine gesellschaftliche Veränderung wollen, sich dabei aber nicht als „HĂĽter von Ideen“ verstehen. „Wir sehen unsere Aufgabe angepasst an die Gegenwart darin, mit Klarheit und Wachheit Bildungsarbeit zu machen. Wir können trommeln, und das werden wir tun.“ Unter anderem beim nächsten groĂźen Event am 3. August 2013 in Berlin, dem Mauerpark-Festival. Insgesamt plant Global Change Now heuer acht Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet, 2012 waren es noch drei.

 

Bilder vom MGS3 gibt´s hier in der Galerie…

Bilder vom abendlichen Kulturprogramm mit dem Berliner Liedermacher Hans-Eckhardt Wenzel, dem Finanzkabarettist Chin Meyer, der Acapella-Comedy-Gruppe LaLeLu und der Band Felix Meyer sowie vom Abschlussabend  mit Marius del Mestre von Ton Steine Scherben gibt´s hier in der Galerie…

Aktualisiert am


Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Alle Kommentare werden moderiert und erst nach Freischaltung durch die Web-Redaktion sichtbar.


Die Webseiten von Global Change Now e.V. stehen unter einer Creative Commons 3.0 Unported Lizenz. Ausgenommen Fachveröffentlichungen!