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In diesem Bereich stellen wir Euch Fachpuplikationen zu unseren Themen zur Verf√ľgung. Diese werden durch unterschiedliche Referenten verfasst und dienen zus√§tzlich zu unseren Videobeitr√§gen dem Selbststudium, der Weiterverbreitung und als Diskussionsgrundlage.

   

Artikelinformationen:

Veröffentlicht am:
9. Dezember 2013
Autor(en) des Artikels:
Jörg Schreiner

Freiwirtschaft kompakt

 

Mit einer Liquidit√§tsgeb√ľhr aus der Krise

Wer so verschuldet ist, dass er es nicht mal schafft die Zinsen auf seinen Kredit zu bezahlen, wird sich, wenn er nichts unternimmt, durch die Zinseszinsen immer weiter verschulden, bis zur Zahlungsunf√§higkeit. Um das zu vermeiden gibt derzeit es nur zwei Strategien. Zum einen kann der Schuldner sich einschr√§nken um mehr Geld f√ľr die Zinsen √ľbrig zu haben. Zum anderen kann er versuchen seine Einnahmen zu erh√∂hen, z.B. durch mehr Arbeit. Wie die meisten Volkswirtschaften ist auch unsere √ľberschuldet und so werden auch beide Strategien verfolgt um den Bankrott zu vermeiden.

The strategy Consultant by HikingArtist

√úberall wird gespart. Arbeitgeber entlassen Arbeitnehmer, die √∂ffentliche Hand k√ľrzt ihre Leistungen, oft mit negativen sozialen Folgen. Auf der anderen Seite wird versucht mehr Einnahmen generieren, dass Zauberwort hierf√ľr lautet ‚ÄěWirtschaftswachstum‚Äú. Nun ist fraglich ob es in dieser begrenzten Welt unbegrenztes Wachstum geben kann, den offensichtlich f√ľhrt das Wirtschaftswachstum zur Vernichtung unserer Lebensgrundlagen durch steigenden Ressourcenverbrauch.

Wenn man es genau betrachtet, sind nicht die Schulden das Problem, sondern die Zinseszinsen machen es so schwer aus der √úberschuldung raus zu kommen. Wenn Zinsen eine Ursache f√ľr Sozialabbau und Naturzerst√∂rung sind, so muss man sich fragen, ob man nicht auf Zinsen verzichten kann? Aber wenn man Zinsen verbieten w√ľrde, wird wohl kaum noch jemand sein Geld langfristig anlegen, damit k√∂nnte die Wirtschaft wahrscheinlich nicht mehr ausreichend mit Krediten versorgt werden, eine Rezession w√§re die Folge. Nun sind aber Zinsen ja die Belohnung f√ľr den Anleger, dass er sein Verm√∂gen der Wirtschaft zur Verf√ľgung stellt. Aber warum muss er denn daf√ľr belohnt werden – warum nimmt man nicht umgedreht eine Geb√ľhr von ihm, wenn er es nicht tut? Konkret w√ľrde das bedeuten, dass man auf Bargeld und kurzfristige Anlagen eine relativ hohe Geb√ľhr fordert, z.B 6 %/a auf ein Girokonto und je l√§nger man sein Geld anlegt um so geringer wird die Geb√ľhr. Das bedeutet man spart nicht mehr, weil man einen Zinsgewinn erwartet, sondern um die Umlaufsicherungsgeb√ľhr zu vermeiden.

Gewinner und Verlierer des ‚ÄěZinssystems‚Äú

INWO-Bierdeckel

Wer nun aber nur ungern auf seine Zinseink√ľnfte verzichten m√∂chte, sollte erst einmal pr√ľfen, ob er momentan mehr Zinsen bekommt, als er bezahlt. Dazu muss man wissen, dass der gr√∂√üte Schuldner in Deutschland die private Wirtschaft ist. Sie ist weit mehr als doppelt so hoch verschuldet wie der Staat. Aber die Unternehmen legen ihre Zinslasten, wie alle anderen Kosten auch, auf ihre Produkte um. So zahlen die Zinsen der Privatwirtschaft, sowie die der √∂ffentlichen Hand, letztendlich die Endverbraucher, also wir alle. Man kann davon ausgehen, dass mindestens ein Drittel unserer privaten Ausgaben direkte oder indirekte Zinszahlungen sind. Wer nun also nicht mindestens Zinseinnahmen in H√∂he von einem Drittel seiner Jahresausgaben hat, geh√∂rt zu den finanziellen Verlierern in diesem Geldsystem. Das ist in Deutschland bei rund 80% der Haushalte der Fall. Bei den verbliebenden 20% sammeln sich die ganzen Zinsverluste der 80% Verliererhaushalte. Das erkl√§rt das exponentielle Wachstum der Verm√∂gen, seit Bestehen der Bundesrepublik. Der Zins ist der Motor der Umverteilung von unten nach oben, von Arbeit zum Besitz.

Die gleichberechtigte Teilhabe an den nat√ľrlichen Ressourcen

Allerdings muss man auch noch bedenken, dass wenn der Zinssatz sinkt, aus welchem Grund auch immer, sich der Anleger andere M√∂glichkeiten sucht, die Rendite zu bekommen, die er mit Zinsen nicht mehr erzielt. Das hei√üt die Spekulation nimmt zu. Das muss nicht grunds√§tzlich beunruhigen, denn in vielen F√§llen ist Spekulation nicht viel mehr als Gl√ľcksspiel, die Gewinne der einen sind die Verluste der anderen. Solange man nicht gezwungen ist mitzuspielen und nicht die Kosten tragen muss f√ľr ein Spiel, an dem man nicht beteiligt ist, gibt es kaum ein Problem. Etwas anderes ist es allerdings, wenn mit unseren Lebensgrundlagen spekuliert wird. Wenn Anleger Boden, Bodensch√§tze, Wasser aufkaufen, haben wir ein Problem, denn wir k√∂nnen nicht darauf verzichten und m√ľssen schlie√ülich jeden Preis daf√ľr zahlen. Wer denn geforderten Preis nicht zahlen kann, bekommt ernsthafte Probleme. Also ist es wichtig, dass allen Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe an den nat√ľrlichen Ressourcen erm√∂glicht wird und diese nicht √ľbernutzt werden. Wie kann man das erreichen? Alle unsere materiellen Grundbed√ľrfnisse lassen sich auf den Boden zur√ľckf√ľhren. Wir brauchen Boden zum wohnen und zum Anbau von Nahrungsmittel, Bodensch√§tze und Wasser kommt aus dem Boden. Also reicht es, wenn man allen Menschen den gleichberechtigten Zugang zum Boden erm√∂glicht. Grunds√§tzlich ist Boden ungeeignet f√ľr privaten Besitz. Vielleicht wird es die Grundbesitzer beruhigen, dass mit den hier dargestellten Reformen nicht notwendig eine Enteignung droht. Allerdings sollte das leistungslose Einkommen durch Bodenbesitz, die Pacht, z.B. durch eine Umwandlung der Grundsteuer in eine Bodensteuer abgesch√∂pft werden. Au√üerdem sollte es keinen Verkauf von Boden an Privateigent√ľmer mehr geben. Hierzu k√∂nnen die Kommunen von ihrem schon bestehenden Vorkaufsrecht Gebrauch machen. Der Boden im Besitz der √∂ffentlichen Hand wird an den meistbietenden privaten Nutzer verpachtet. Alle Pachteinnahmen sowie die Einnahmen aus der Bodensteuer werden gleichm√§√üig an die Bev√∂lkerung des W√§hrungsraums verteilt, in dem diese Reformen durchgef√ľhrt werden. So wird ein ‚ÄěBedingungsloses Grundeinkommen‚Äú finanziert.

Grundeinkommen

Die Zahlung stellt dann die gleichberechtigte Teilhabe der Menschen an der Ressource Boden dar. Eine Erh√∂hung der Bodensteuer und das Verpachten an den Meistbietenden bedeutet zudem eine Verteuerung aller Produkte f√ľr deren Bereitstellung der Boden notwendig ist. Dadurch sollte es zum selben Effekt kommen, den auch eine √Ėkosteuer bringen soll, n√§mlich eine sparsame Nutzung der begrenzten nat√ľrlichen Ressourcen. Jedoch hat bis zu einer durchschnittlichen Nutzung der jeweiligen Ressource keiner einen finanziellen Nachteil, denn das, was er durch die Verteuerung mehr ausgibt, bekommt er durch die Umlage wieder zur√ľck. Dann w√ľrde der Verschwender den Bescheidenen f√ľr dessen nachhaltigen Lebensstil belohnen.

Wenn man auf diese Reformen hinweist, h√∂rt man oft, dass diese nicht durchsetzbar seien, weil vermutet wird, dass die Gewinner in diesem System dies nicht zulassen werden. Dies zeigt wie wenig vertrauen die Menschen in unsere Demokratie haben. Reformen, die f√ľr mindestens 80% der Haushalte eine finanzielle Verbesserung bringen w√ľrden, sind nicht durchsetzbar? Letztendlich gibt es keine Verlierer dieser Reformen, denn ein auf Zinseszins basiertes Wirtschaftssystem muss fr√ľher oder sp√§ter zusammenbrechen. Ein solcher Kollaps w√ľrde auch an den Gewinnern des derzeitigen Wirtschaftssystems nicht spurlos vor√ľbergehen. Schon jetzt zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass zunehmende Ungleichheit negative Effekte auf alle gesellschaftlichen Gruppen hat.

Aber tats√§chlich wird das Thema derzeit von den meisten Politiker und √Ėkonomen ignoriert. Allerdings trifft das auch auf die Mehrheit der gesamten Bev√∂lkerung zu. Eine Ursache daf√ľr ist wohl, dass sich kaum jemand mit unserem Geldsystem auseinander setzt. Insofern sind diese Reformen f√ľr Populismus ungeeignet, weil man das Thema nicht so kurz erkl√§ren kann, dass jemand, der sich bisher kaum damit besch√§ftigt hat, sich auf Anhieb eine Meinung bilden kann. Man kann nur hoffen, dass sich trotzdem immer mehr Leute mit diesen Fragen besch√§ftigen und dass Begriffe wie ‚ÄěGeldreform‚Äú und ‚ÄěFreiwirtschaft‚Äú in der √Ėffentlichkeit immer pr√§senter werde, so dass sich schlie√ülich auch die ernsthaft mit diesem Thema besch√§ftigen m√ľssen, die daf√ľr bezahlt werden.

Die korrekte Umsetzung dieser Reformen der Geld- und Bodenordnung w√ľrde dazu f√ľhren, dass soziales und √∂kologisches Handeln enorm erleichtert w√ľrde und weniger eine moralische Frage w√§re.

Aktualisiert am
 
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  • J√∂rg Schreiner ist selbst√§ndiger Berater im Bereich Wasser und erneuerbare Energien. Er ist bereits seit mehreren Jahren in verschiedenen Gruppen und Verb√§nden aktiv, die sich mit der Reform der Geld-und Bodenordnung befassen. Ebenfalls war er an der Organisation der Macht-Geld-Sinn Kongresse 2011 / 2012 sowie der GCN-Academy beteiligt.


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