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In diesem Bereich stellen wir Euch Fachpuplikationen zu unseren Themen zur Verfügung. Diese werden durch unterschiedliche Referenten verfasst und dienen zusätzlich zu unseren Videobeiträgen dem Selbststudium, der Weiterverbreitung und als Diskussionsgrundlage.

   

Artikelinformationen:

Veröffentlicht am:
30. Oktober 2013
Autor(en) des Artikels:
Fritz Andres

Der Boden als Privileg und Kapitalgut (Teil 2)

 

Feststellung bisher: Nur weil und solange das Kapital Zinsen abwirft, gibt es beim Boden Preise. Sinkt der langfristige Kapitalzins auf Null, steigen die Bodenpreise ins Unendliche, was bedeutet, dass er unverkäuflich wird. (Vgl. Fritz Andres: Der Boden als Privileg und Kapitalgut Teil 1)

FortfĂĽhrung:
Die Tabelle 2 gibt Auskunft darüber, was bei konstantem Zinssatz mit den Bodenpreisen passiert, wenn die ebenfalls konstante Bodenrente mit einer Abgabe belastet und schließlich vollständig abgeschöpft wird:


 

 
Tabelle 2

Entkapitalisierung des Bodens durch eine Abgabe

Boden-rente* in Euro Abgabe in % Restrente in Euro Kapital-zins** in % GrundstĂĽcks-preis in Euro
1.000,– 0 1.000,- 5 20.000,-
1.000,- 50 500,- 5 10.000,-
1.000,- 90 100,- 5 2.000,-
1.000,- 99 10,- 5 200,-
1.000,- 100 0,- 5 0,-

* MaĂźgebend ist die zukĂĽnftig erwartete, erzielbare Bodenrente.
** MaĂźgebend ist der um die erwartete Inflationsrate bereinigte langfristige Zins auf dem Kapitalmarkt (Realzins).

Es ist klar, dass die Bodenpreise im gleichen Verhältnis fallen, wie die Abgabe die Bodenrente erfasst. Auch hier ist die letzte Zeile zunächst verblüffend, wird aber verständlich, wenn man bedenkt, dass niemand bereit sein wird, für ein Grundstück, dessen Ertrag in aller Zukunft abgeschöpft werden wird, noch einen Kaufpreis zu zahlen. Damit erweist sich der Boden als reine Stromgröße (Ertrag nur durch laufende Nutzung): ohne den Ertragsstrom sinkt sein Wert auf Null. Darin auch unterscheidet er sich vom Kapital: sinkt nämlich dessen Verzinsung auf Null, so bleibt seinem Inhaber immer noch der Kapitalbetrag (als Bestandsgröße) erhalten, den er durch Arbeit vermehren, aber auch heute oder später vermindern bzw. verbrauchen kann.

4. Folgen der Kapitalisierung des Bodens

Die Kapitalisierung des Bodens bedeutet in gewisser Weise eine Verdinglichung der Stromgröße Boden. Mit ihr ist die Grundlage dafür gegeben, dass der Boden zur Handelsware werden kann.

SchlĂĽsselĂĽbergabe

Er könnte nie Handelsware sein, wenn er keinen Kapitalwert und damit keinen Preis hätte. Bodenhandel setzt daher, wie die Bodenpreise selbst, einen Kapitalmarkt mit positivem Zinssatz voraus. Aber der Handel mit Boden hat auch eine rechtliche Bedingung: Er muss durch die Rechtsordnung zugelassen werden. Diese Bedingung war im Feudalismus nicht erfüllt. Es gab damals zwar schon Bodeneigentum, dieses war jedoch überwiegend nicht handelbar, sondern nur erblich. Zu einem entwickelten Kapitalmarkt mit positivem Zinssatz (Kapitalismus) als ökonomischer Voraussetzung musste die freie Handelbarkeit der Grundstücke (Liberalismus) als rechtliche Voraussetzung hinzukommen, damit das Privileg, das das Bodeneigentum im Feudalismus darstellte, handelbar und der Boden zu einem Teil des Kapitalmarkts werden konnte. Eine Gesellschaft, die den Boden zum Kapitalgut macht bzw. ihn so behandelt, als wäre er ein solches, bekommt dadurch ein in vieler Hinsicht verändertes Gepräge. Gegenüber einer Gesellschaft, in der das Privileg des Bodeneigentums nur im Erbstrom übertragen wird (Feudalismus), hat der Boden als handelbares Kapitalgut den Vorteil, dass er auch für die an sich nicht privilegierten Familien zugänglich wird. Das erweitert auch den Kreis potentieller Bodennutzer und die Chance, dass sich die tatsächliche Bodenverteilung mehr nach der Kompetenz der Nutzer richtet als im Feudalismus. Andererseits kann Boden durch Verkauf oder Beleihung zu Kapital verwandelt werden. Die Bindung der Eigentümer an ihren Besitz wird dadurch aufhebbar!

Beides, die Eröffnung des Zugangs zum Boden ĂĽber das Kapital einerseits und die Aufhebbarkeit der erblichen Bindungen an den Boden andererseits, hat den Freiheitsgrad der kapitalistisch-bĂĽrgerlichen Gesellschaft gegenĂĽber dem Feudalismus deutlich erhöht, ohne jedoch dessen GrundĂĽbel wirklich zu beseitigen. Denn Privileg bleibt Privileg, auch wenn es wie ein Kapitalgut gehandelt werden kann und sich nicht mehr nur in der Hand weniger befindet, sondern breit gestreut ist. Und auch das Verhältnis von Besitz und Nutzung, genauer: der Besitzverteilung zur Verteilung der Nutzungsfähigkeiten und -bedĂĽrfnisse, bleibt unbefriedigend, eine mehr oder weniger ausgeprägte Polarisierung der Gesellschaft in – ĂĽberspitzt ausgedrĂĽckt – „besitzende Nichtsnutze“ und „nutzungswillige Habenichtse“ bleibt bestehen. Verschwendung (incl. Hortung) hier, Mangel dort – und alles weit entfernt von einem gesamtgesellschaftlich wĂĽnschenswerten, effizienten Umgang mit einer knappen natĂĽrlichen Ressource, wie sie der Boden darstellt. Dies gilt schon bei nationaler Betrachtung und sorgt dort fĂĽr Konfliktstoff. Die internationalen Probleme, die von dieser Bodenordnung ausgelöst werden, kommen hinzu. Was diese Bodenordnung also in ihrem Kern verfehlt macht, das ist der Privilegiencharakter des Besitzes einerseits und die dadurch bedingte – durch die Zugänglichkeit ĂĽber das Kapital nur gemilderte – Ausgeschlossenheit Nutzungswilliger andererseits.

5. Auswirkungen der Entprivilegierung / Entkapitalisierung des Bodens

Was bedeutet Aufhebung bzw. Überwindung des Privilegiencharakters und der Kapitalisierung des Bodens? Die letzte Zeile der Tabelle 2 zeigt die notwendige Bedingung für diesen Schritt. Der Besitz muss in Höhe der erzielbaren Bodenrente belastet werden! Dann ist mit ihm kein arbeitsloses Einkommen mehr verbunden und sein Kapitalwert sinkt auf Null. Ob es sich nun um Eigentum handelt, das mit einer Abgabe in Höhe der Bodenrente belastet wird, oder um ein Erbbau- oder Pachtrecht, für das ein Erbbau bzw. Pachtzins in gleicher Höhe gezahlt werden muss – der Inhaber des Nutzungsrechts, hier Besitzer genannt, ist dann nicht mehr privilegiert.

Traktor
Foto: Rainer Sturm / Pixelio.de
 

Und damit entfällt die universelle und zerstörerische Sogkraft, die bisher vom – unbelasteten – Besitz ausging. Das bloĂźe Haben bringt Verluste. Als Gegenstand von Beutegier und Habsucht ist der Besitz jetzt völlig ungeeignet. Durch die Belastung entprivilegiert und entkapitalisiert, ĂĽbt er keinerlei Anziehungskraft mehr aus – auĂźer fĂĽr den Nutzer, und zwar fĂĽr den, der den Boden im Rahmen der öffentlich-rechtlichen Vorschriften und Begrenzungen am besten nutzen kann, den „besten Wirt“. Dieser hat auch kein Interesse, sich gegen Begrenzungen der zulässigen Nutzung des Bodens zu sperren, die staatlichen Organe zu beeinflussen und dgl., weil alle Begrenzungen der Nutzung seines Besitzes oder deren Ausweitung durch entsprechende Veränderungen der von ihm zu zahlenden Bodenrentenlast ausgeglichen werden. Ă–kologische Politik braucht die Machenschaften der Bodenbesitzer nicht mehr zu fĂĽrchten.

Aber mit der Belastung des Besitzes wird nicht nur sein Privilegiencharakter aufgehoben, sondern zugleich auch der andere Gefahrenherd fĂĽr Frieden und Umwelt, die Notlage vieler Nutzungswilliger entschärft. Denn die Verhältnisse zwischen Besitz und Nutzung drehen sich als Folge der Belastung regelrecht um. Jetzt muss nicht mehr der Nutzer zum Besitze streben, sondern der Besitz folgt der Nutzung („der Boden wandert zum besten Wirt“!), weil im Prinzip nur noch fĂĽr den (besten) Nutzer der Besitz keine Last mehr darstellt.

6. Die Entprivilegierung/ Entkapitalisierung des Bodens genĂĽgt nicht!

Allerdings ist hier eine Ergänzung notwendig. So wichtig es nämlich gesamtgesellschaftlich für den effizienten Umgang mit einer knappen natürlichen Ressource wie dem Boden auch ist, dass die Auswahl unter den Nutzungsinteressenten über die Entgelthöhe erfolgt, so muss man sich doch klar machen, dass damit im wesentlichen die ökonomische Leistungsfähigkeit zum Maßstab für die Besitzverteilung an der Erde wird. Damit ist jedoch die Notlage vieler Menschen, nämlich der ökonomisch weniger Leistungsfähigen, die wir als einen der beiden Gefahrenherde für Frieden und Umwelt ausgemacht hatten, trotz Überwindung des Bodenprivilegs noch nicht beseitigt. Die Lösung des Problems kann hier nur angedeutet werden. Sie kann nicht darin bestehen, dass an der Entgeltbelastung zugunsten wirtschaftlicher Schwacher manipuliert wird und der Boden dann doch einen Rest seines Privilegiencharakters und seines Kapitalwerts behält. Sie muss vielmehr in der Richtung gesucht werden, auch die ökonomisch weniger Leistungsfähigen finanziell so auszustatten, dass sie im Wettbewerb um die knappen Besitz-, d.h. Nutzungsrechte mithalten können. Das geschieht am besten durch eine gleichmäßige Rückverteilung aller Bodenrenteneinnahmen an alle Menschen. Dadurch wird nicht nur das Menschenrecht auf gleiche Teilhabe aller Menschen an der Erde realisiert, sondern es wird jeder Mensch auch ökonomisch so ausgestattet, dass er sich – bei jeder Entgelthöhe – eine durchschnittliche Bodennutzung immer leisten kann, weil sie ihn nur soviel kostet, wie er über die Rückverteilung erhält. Damit aber ist jede Not, die auf unzureichender Teilhabe am Boden und den übrigen natürlichen Ressourcen beruht, definitiv ausgeschlossen und die darauf beruhende Gefahr für Frieden und Umwelt gebannt.

7. Schlussbetrachtung

Besitz und Nutzung – diese beiden Triebräder der gesellschaftlichen Entwicklung – müssen ins rechte Verhältnis zueinander gebracht werden, um segensreich zu wirken. Den zum Privileg überhöhten Besitz und die zur Notlage geschwächte Nutzung hatten wir als die Herde ausgemacht, von denen elementare Gefährdungen für die Begrenzungen ausgehen, die im Interesse des Friedens und der Freiheit zwischen den Menschen und Völkern und im Interesse einer intakten Umwelt zur Natur hin bestehen bzw. gezogen werden müssen. Es zeigt sich, dass dem Besitz etwas genommen und der Nutzung etwas gegeben werden muss, wenn dieses rechte Verhältnis beider zueinander erreicht werden soll. Dem Besitz – am Beispiel des Bodens wurde es demonstriert – muss die Bodenrente entzogen werden. Dann verliert er seinen Privilegiencharakter (und den auf diesem aufbauenden Kapitalwert) und wird, egal ob als Eigentum, Erbbaurecht oder Pachtrecht, ein schlichtes Nutzungsrecht, das sich zudem der Nutzung willig andient. Und gerade das, was dem Besitz entzogen werden muss – die Bodenrente – ist es, was der Nutzung gegeben werden muss! Nur durch die Gleichverteilung der vollen Bodenrente an alle Menschen wird deren Menschenrecht auf gleiche Teilhabe realisiert und ihnen als Nutzer zugleich die ökonomische Ausstattung gegeben, mit der auch die Schwachen immer mithalten und den für ihre Nutzungsbedürfnisse notwendigen Besitz erlangen können. Man kann die Dinge auch so sehen: Die Belastung des Besitzes, d.h. seine Entprivilegierung/Entkapitalisierung, bringt die Angebotsseite in die richtige Verfassung, indem sie den Besitz sowohl dem Erbstrom als auch dem Zugriff des Kapitals entzieht und statt dessen über laufende Entgelte nur noch der Arbeit und sonstigen ökonomischen Leistung zugänglich macht. Dies muss allerdings ergänzt werden durch eine Sanierung der Nachfrageseite, damit der Zugang zum Boden und den übrigen natürlichen Ressourcen nicht (nur) den ökonomisch Leistungsfähigen, sondern allen Menschen offen steht. Erreicht werden kann dies, indem man das an alle Menschen zurückverteilt, was zuvor dem Boden zu dessen Entprivilegierung/Entkapitalisierung entzogen werden musste.

Es sind also zwei Schritte notwendig, um Besitz und Nutzung in die richtige Verfassung und damit zugleich ins rechte Verhältnis zueinander zu bringen:

  • die Entprivilegierung/Entkapitalisierung des Bodens als Sanierung der Angebotsseite und
  • die gleichmäßige RĂĽckverteilung der Bodenrente an alle als Sanierung der Nachfrageseite.

Und die eine MaĂźnahme bringt die Mittel auf zur DurchfĂĽhrung der anderen!

Fritz Andres

Es ist mit Besitz und Nutzung in der Gesellschaft wie mit den „freien Radikalen“ in der Chemie: Voneinander getrennt oder durch die Umstände am rechten Verhältnis zueinander gehindert, haben sie nur eine kurze Lebensdauer bei allerdings hoher Aggressivität und zerstörerischer AuĂźenwirkung. Finden sie aber das rechte Verhältnis zueinander, so wird ihre destruktive Wirksamkeit verwandelt in die Kraft, mit der sie sich ihre wechselseitige Existenz dauerhaft und friedlich erhalten. FĂĽr den Boden in der Gesellschaft heiĂźt das: Wird die Spaltung in Privileg hier und Not dort ĂĽberwunden und werden Besitz und Nutzung durch „Gerechtigkeit“ ins rechte Verhältnis zueinander gebracht, so werden nicht nur die Ziele „Frieden“ und „Bewahrung der Schöpfung“ erreichbar, sondern auch miteinander vereinbar! Allerdings nur dann!!!

Aktualisiert am
 
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  • Fritz Andres, wohnhaft in Kirn, ist Jurist und ehemaliger Unternehmer, sowie Dozent des interfakultativen Institutes fĂĽr Entrepreneurship der Universität Karlsruhe. Mitglied des Seminars fĂĽr freiheitliche Ordnung e.V. (sffo) in Bad Boll.


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